FÜR DIE VERWUNDETEN

(1871)

Ein stiller Zug bewegt
Sich durch des Kampfs Getöse,
Das Kreuz am Arm er trägt.
Sein Flehn in tausend Zungen klingt,
Und den gefallnen Kriegern
Er Friedenskunde bringt.

Nicht nur auf blutigem Feld
Des Kriegs ist er zu Hause,—
Nein, in der ganzen Welt.
Was in der Welt an Liebe glüht
Aus edlen, guten Herzen,
Andächtig-still hier kniet.

Es ist der Arbeit Scheu
Vor Kriegesmord, die betet
Um Schutz vor Barbarei,
's sind alle, die das Leid durchwühlt,
Die ihrer Brüder Qualen
Je seufzend mitgefühlt.

Es ist das Schmerzgestöhn
Der Kranken und der Wunden,
Der Christen frommes Flehn,
Ist der Verlassnen bleiche Qual,
Ist der Bedrückten Klage,
Der Toten Hoffnungsstrahl;—

Der Wolken Nacht durchbricht
Als Friedensregenbogen
Des Heilands Glaubenslicht:
Daß über Leidenschaft und Streit
Die Liebe triumphiere,
So wie Er prophezeit.

LAND IN SICHT

Und das war Olav Trygvason,
Den sein Kiel durch die Nordsee trug
Heimwärts zu seinem jungen Reiche,
Wo noch kein Herz für ihn schlug.
Scharf späht' er aus nach dem Lande:
Dort—sind das Mauern am Meeresrande?

Und das war Olav Trygvason;
Wallgleich hob es sich himmelan;
All seine jungen Königswünsche
Wollten zerschellen daran,—
Bis ein Skald, wo der Nebel braute,
Türme und blasse Zinnen erschaute.