Beim armen Volk im Winter dann
Da litt er und da fror er.
Und doch stieg als der frohste Mann
Zur Orgel dann empor er.
"Die Achse, seht,
Um die sich's dreht,
Auch durch das ärmste Dörflein geht."
So sang vom hohen Chor er.
Ach, und als Krankheit jahrelang
Kam, um sein Lied zu prüfen,
Und all die Kleinen hilflos bang
Zutraulich nach ihm riefen,
Mit leisem Klang
Dem Staub entrang
Sich Äolsharfen gleich sein Sang
Den dumpfen Erdentiefen.
Sein Leben sagte uns voraus:
Wenn wir uns Gott ergeben,
Dann wird in Kirche, Schule, Haus
Das Volk im Liede leben:
In Volksgesang,
In Lustgesang,
Im Abglanz von des Herrn Gesang
Hoch überm Weltenweben.
Mein Land, o denk der Kleinen auch,
Die er ans Herz dir legte,
Und ärmer, als ein Rosenstrauch,
Selbst noch im Sterben pflegte.—
Ein Herz wie er
Darf nimmermehr
Dies Land verlassen freudenleer,
Das er so treulich hegte.
DAS LIED
Das Lied hat Leuchtkraft; drum über die grauen
Werktage gießt es Verklärung hin.
Das Lied hat Wärme; drum läßt es tauen
Den Frost und die Starrheit in deinem Sinn.
Das Lied hat Dauer; drum was vergangen
Und was zukünftig, es flicht's dir zum Kranz,
Entzündet in dir unendlich Verlangen
Und bildet ein Lichtmeer von Sehnsucht und Glanz.
Das Lied vereint; denn es läßt entschwinden
Den Mißton und Zweifel in strahlendem Gang;
Das Lied vereint; denn es weiß zu verbinden
Kampflustige Kräfte in friedlichem Drang:
Im Drang zur Schönheit, zur Tat, zum Reinen!
Es lädt uns, zu schreiten auf schimmerndem Steg
Stets höher und höher, empor zu dem Einen,
Das nur für den Gläubigen öffnet den Weg.
Die Sehnsucht der Vorzeit im Vorzeitsgesange
Glänzt wehmutsvoll wie der Abendflor;
Die Sehnsucht der Gegenwart halten im Klange
Wir fest für der Zukunft lauschendes Ohr.
Es trifft sich im Liede der Lenz der Geschlechter
Und tummelt sein Leben im tönenden Wort;
Die Geister der Ahnen wie mahnende Wächter,
Sie rauschen heut festlich in jedem Akkord.
AUF N.F.S. GRUNDTVIGS TOD
(1872)