Sie gingen ziemlich schnell weiter. "Warum erzählst Du mir das?" fragte Jörgen. "Weil wir jetzt heiraten können."—"Ja, wieviel ist es denn?"—"Zweihunderttausend."—"Dollar?"—"Nein, Kronen. Und dann noch die Fünfzigtausend."—"Das ist nicht genug."—"Zusammen mit dem, was wir sonst noch haben?"—"Dies 'sonst' bringt augenblicklich nahezu nichts ein. Das weißt Du doch."

Mary begann sich elend zu fühlen. Er merkte es ihrer Stimme an, als sie sagte:

"Wir haben doch den Wald in Reserve."—"Der frühestens in drei Jahren abgeholzt werden kann? Vielleicht erst in vier, fünf? Es kommt auf das Wachstum an."—Mary sah ein, daß, er recht hatte; warum hatte sie dies erwähnt?

"Aber zehn, zwölftausend Kronen jährlich …?"—"In unserer Stellung will das nicht viel sagen."

Wieder ein Intermezzo. Hier war kein Trottoir, sondern ein großer, freier Platz mit rechtem Morast. Sie hatten beide den Hund vergessen. Ein dicker, schmutziger Schifferhund, auch ein Pudel, war auf Landurlaub mit ein paar Matrosen, die die Straße entlangschlenderten. Diesem willkommenen Kameraden hatte Jörgens Hund sich angeschlossen. Er wurde mit Not und Mühe zurückgerufen, schmutzig, wie er schon war. Als Mary auch rief, kam er freudig und glückselig an, bekam aber einen Schlag mit der Peitsche und winselte.—"Es ist doch merkwürdig," sagte Mary, "daß Du mit so einem netten Hund nicht Frieden halten kannst!" Sie dachte an den alten Finnenhund bei ihren Nachbarsleuten daheim, gegen den er auch so häßlich gewesen war. Jörgen antwortete nicht. Der Hund aber lief demütig hinterher, und als Jörgen sich davon überzeugt hatte, sagte er: "Weiß Onkel Klaus etwas von dem Vermögen?"—"Ich glaube, außer uns weiß kein Mensch etwas davon.—Warum fragst Du?"—"Es ist richtiger, mit Onkel Klaus zu reden."—Sie blieb verwundert stehen: "Mit Onkel Klaus?" Jörgen stand auch still. Jetzt sahen sie sich an. "Wir kommen weiter damit", sagte Jörgen. "Bei Onkel Klaus?" sie sah ihn starr an. Sie verstand ihn nicht. "Für die Ehre der Familie tut er viel", sagte Jörgen mit einem raschen Seitenblick, indem er weiterging. Sie war kreidebleich geworden, folgte ihm aber. "Müssen wir uns Onkel Klaus anvertrauen?" flüsterte sie hinter ihm. Weiter konnte die Demütigung nicht gehen. "Wir tun es!" antwortete er aufmunternd und beinahe fröhlich; "jetzt sagt er nicht nein." Hatte er das mit in Berechnung gezogen?

Er kam näher an sie heran: "Sieh mal, wenn Onkel Klaus nichts von dem
Vermögen weiß, bekommen wir mehr!"

Er hatte es gut durchdacht! So widerlich ihr das war, es imponierte ihr doch. Jörgen war gewiß bedeutender, als sie geglaubt hatte. Wenn er erst all seine Fähigkeiten entfaltet hatte, würde er noch andere als sie überraschen.

Sie zog sich zusammen wie ein Blatt bei übermäßiger Hitze. "Willst Du die Sache mit Onkel Klaus selbst in Ordnung bringen?"—"Ich reise natürlich sofort mit Dir nach Hause. Du hättest nicht zu kommen brauchen; eine Mitteilung hätte genügt."

Sie ging mit gesenktem Kopf neben ihm her und zitterte am ganzen Leibe. Seine Überlegenheit ängstigte und lahmte sie; seine Erwägungen verursachten ihr Übelkeit. Es war, wie schon einmal, daß sie einen Fuß nicht vor den andern setzen konnte; sie konnte nicht weiter.

Da hörte sie Jörgen rufen: "Komm her, kleiner Satan!" Wieder der Hund.
Dieser schmutzige Lümmel von Kamerad hatte ihn abermals vom Weg der
Pflicht fortgelockt. Jörgens Stimme hatte so etwas Eigentümliches, wenn
sie befahl: sie war gedämpft und scharf zugleich.