Mary war ergriffen. Sie wußte, ihr Vater war sein bester, vielleicht sein einziger Freund gewesen. Aber sie ahnte, daß das Weinen nicht nur ihrem Vater galt; es lag auch unmittelbare Teilnahme darin und Reue. Sonst wäre er unten am Sarge geblieben.
Die schöne Glocke der Kapelle begann zu läuten. Der Hund, der den ganzen
Tag bei ihr im Zimmer hatte bleiben müssen und sehr unruhig gewesen war,
stürzte jetzt ans Fenster, das auf die See hinausging, und legte die
Pfoten aufs Fensterbrett, um hinauszusehen. Mary trat zu ihm.
Im selben Augenblick fuhr Onkel Klaus fort. Unten in den Zimmern aber wurde ein Choral angestimmt, das Trauergefolge kam. Die beiden Särge wurden von Bauern der Umgegend getragen. Als der erste herauskam, sank Mary in die Knie und weinte, als solle das Herz ihr brechen. Weiter sah sie nichts.
Sie lag auf dem Bett, das Glockengeläute schnitt ihr ins Herz; sie hatte das Gefühl, es müsse Furchen durch die Seele ziehen. Ihre Sinne verwirrten sich immer mehr; sie war überzeugt, ihr Vater habe, als sie in der Tür stand, in sie hineingesehen, und daran sei er gestorben. Frau Dawes war ihm wie immer gefolgt. Er war die einzige, große Liebe ihres Lebens gewesen. Jetzt waren sie beide bei ihr. Auch ihre Mutter in einem weißen, schleppenden Kleide. "Du frierst, Kind!" Sie nahm sie in die Arme, denn Mary war wieder ein kleines Kind und ganz unschuldig. Darüber schlief sie ein.
Aber als sie aufwachte und draußen und drinnen keinen Laut hörte,—das Haus war leer … da faltete sie die Hände und sagte halblaut: "Es war das beste für uns drei. Das Schicksal war barmherzig mit uns."
Sie sah sich nach dem Hund um; sie brauchte Teilnahme. Aber irgendeiner mußte ihn hinausgelassen haben, während sie schlief.
Das genügte, um wieder in Tränen auszubrechen. Perle auf Perle aus der unerschöpflichen Schmerzensquelle rann ihr über Wangen und Hände, wie sie so dalag und den schweren Kopf stützte.
"Jetzt kann ich anfangen, wieder an mich selbst zu denken. Jetzt bin ich allein."
* * * * *
Entscheidung