Ein eigenthümlicher Stamm lebt auf dem Hochplateau zwischen Wuga und Mlalo: die Wambugu. Das sind hohe, schlankgewachsene Leute mit scharfgeschnittenen Gesichtern, ähnlich den Wakuafi und Masai, dabei ruhig, freundlich und tapfer von Charakter. Sie tragen kein Baumwollzeug, sondern Ueberwürfe von feingegerbtem Leder. Erkenntlich macht sie ein Ohrschmuck von 1–7 cm breiten Holzscheiben; die Weiber behängen sich mit schweren Schnüren von blauen Glasperlen. Es ist ein Hirtenvolk, das sich den Wakilindi als Viehknechte verdingt.
Politische Verhältnisse.
Mkande, ein Häuptling der Wakilindi, soll vor vielen Jahrzehnten von Dschagga gekommen und sich Usambara und Bondei unterworfen haben. Ihm folgte später als fünfter Herrscher Kimweri I., der 1868 im angeblichen Alter von hundert Jahren gestorben ist. Von seinen hundert Söhnen herrschte der älteste, Kimweri II., nur ein Jahr mit Hinterlassung eines Minderjährigen, Kingassi. Sembodja, Kibanga und Mkande, die Brüder Kimweri’s II. geriethen in blutigen Streit und gewannen schließlich nur in einzelnen Theilen des Landes die Oberherrschaft.
Demnach zerfällt jetzt Usambara in folgende Gebiete:
Das Mkomasi-Thal mit dem den Ort Wuga umgebenden Gebirge unter Sembodja. Er selbst residirt in Masindi; seinem ältesten Sohn, Kimweri II., der nach Unabhängigkeit trachtet, hat er Wuga überlassen.
Der nördliche Theil, von Kwambugu über Mbaramu bis zum Ursprung des Luengera, nominell unter Kingassi, factisch unter Mkande, mit der Residenz in Hundu.
Der südliche Theil, vom Kombola bis Handei und zum Quellgebiet des Ukumbine und Udofu, unter Kibanga; mit Magila als Wohnsitz.
Bondei und das Thal des Pangani gehören politisch nicht zu Usambara.
Die Bevölkerung steht, außerhalb der schmalen, am Meere gelegenen Gebietssphäre des Sultans von Sansibar, nirgends unter einem gemeinschaftlichen Oberhaupt, sondern überall unter unabhängigen Dorfhäuptlingen, welche in einzelnen Fällen benachbarte Ortschaften unter ihrer Herrschaft vereinigt haben.