Sonnen-Auf- und Untergang. – Die Zeit des Sonnen-Auf- und Untergangs stellt sich in den Monaten Juni bis October folgendermassen:

JuniJuli
1.16.26.1.16.26.
Sonnenaufgang3.55.3.49.3.51.3.53.4.6.4.18.
Untergang8.0.8.11.8.14.8.13.8.5.7.53.
AugustSeptember
1.16.26.1.16.26.
Aufgang4.27.4.49.5.5.5.16.5.37.5.53.
Untergang.7.45.7.18.6.58.6.45.6.12.5.50.

Die beste Aussicht auf Höhepunkten wird man im Frühsommer zwischen 6 und 7, im Spätsommer zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittags haben.

Reisekleidung. – Die Kleidung sei dauerhaft und praktisch. Am geeignetsten ist ein wollener Anzug von nicht zu knappem Schnitt und nicht zu heller Farbe. Ausser der nöthigen Wäsche wird man alsdann einen Filzhut mit breiter Krämpe und Sturmband, einen nicht zu kleinen Regenschirm und bequemes Schuhwerk – womöglich derbe kalblederne Stiefel mit Doppelsohlen – nöthig haben. Weil es auf Bergen, die den Brocken an Höhe übertreffen, selbst im August oft empfindlich kühl ist, so versehe man sich endlich mit einem guten Plaid oder mit einem leichten Ueberzieher; nach Sonnenuntergang wird man fast immer Veranlassung haben, davon Gebrauch zu machen. – Wer mehr fährt als geht, kann sich neben dem leichten noch ein wärmeres Gewand mit nehmen; will der Tourist einen Reserveanzug haben, so muss er ihn gut verpacken und mit der Post von Hauptstation zu Hauptstation voraussenden.

Reiseutensilien. – Die aus Leder oder wasserdichtem Baumwollenzeug gefertigte Seitentasche habe – wie die Bädekersche Reisetasche – unten zwei Ringe, so dass sie durch Hindurchziehen des Tragbandes leicht zum Rückentornister umgewandelt werden kann. Der Plaid wird entweder mittelst eines Lederriemens auf die Reisetasche geschnallt, oder zusammengerollt über die Schulter gehangen. Der Handstock sei fest und mit guter Zwinge versehen; in neuerer Zeit hat man starkstabige Regenschirme, welche bequem die Stelle des Stockes vertreten können. Die Reisetasche enthalte ausser der Wäsche einen ledernen, zum Zusammenklappen eingerichteten Trinkbecher, ein Stück Seife, Scheere, Nadel und Zwirn, etwas Bindfaden und – um für alle Fälle gerüstet zu sein, – ein Fläschchen mit Opiumtinctur. Dann trage man ein Messer und ein Etui voll Streichhölzer bei sich und nehme von Station zu Station etwas Semmel oder Brod und einen Schluck Rum oder Kirschwasser mit. Die Semmel ist bestimmt, vor Heisshunger zu schützen und das geistige Getränk dazu, durch Beimischung kaltes Gebirgswasser trinkbar zu machen.

Geld. – In Sachsen wird nach Thalern, Neugroschen und Pfennigen (1 Thlr. = 30 Neugr., 1 Ngr. = 10 Pf.), in Böhmen nach Gulden und Neukreuzern (1 Gulden = 100 Neukreuzer) gerechnet. Sächsischerseits werden übliche Münzsorten und Cassenscheine ohne Beanstandung genommen; in Böhmen thut man wohl, mit österreichischen Banknoten zu bezahlen, die man in jeder Grenzstadt einwechseln[1] kann.

Reisekosten. – Im Erzgebirge ist es nicht theurer als in anderen Gegenden Mitteldeutschlands; doch lebt man auf böhmischer Seite billiger als auf sächsischer Seite. Die Gasthöfe in den grösseren und kleineren sächsischen Städten sind gut; öfters ausgezeichnet; in Böhmen muss man sich schon an grosse Ortschaften halten und auch da ein aufmerksames Auge für Betten und Bettwäsche haben. In Sachsen trinkt man fast überall ein gutes Lager- und bayrisches Bier; das »böhmische« Bier ist heller und leichter, aber gesund und schmackhaft. Wein soll man nur in den besseren sächsischen Gasthäusern verlangen; in Böhmen erhält man dagegen schon in kleineren Restaurationen preiswürdigen österreichischen und Ungarwein; nur begehre man da ja nicht Rhein- oder überhaupt ausländischen Wein, denn der ist mittlerer Beschaffenheit und sehr theuer. Kaffee und Gebäck sind in Böhmen musterhaft. – Im Herbste bieten beide Theile des Gebirges Reichthum an Wildpret, wie Hasen, Rehe, Krammetsvögel und Rebhühner; auch erhält man in den höher gelegenen Gegenden fast allerwärts treffliche Forellen. – Die täglichen Reisekosten richten sich selbstverständlich nach den Ansprüchen und Gewohnheiten eines Fremden: wer in den ersten Hôtels wohnt, mit schweren Koffern reist und viel Aufmerksamkeiten verlangt, wird täglich 4–6 Thlr. brauchen, während der Fusswanderer, der sich nur halbwege beschränkt, mit 1–2 Thlr. auskommt.

Transportmittel. – Unter grossen Anstrengungen ist es dem Erzgebirge gelungen, sich mehrere Eisenbahnen zu verschaffen. Ein Schienenstrang geht am Fusse des Nordabhangs von Dresden über Freiberg und Chemnitz nach Zwickau, zweigt die Linie Chemnitz-Hainichen ab und sendet zwei Ausläufer: Chemnitz-Annaberg und Zwickau-Schwarzenberg in das Herz des Gebirges. Von Zwickau braust die Locomotive, Reichenbach, Falkenstein und Oelsnitz berührend, über den Rücken des Gebirges nach Eger. Und im Egerthale geht der eherne Weg westlich von Eger bis Karlsbad und östlich von Aussig über Teplitz nach Kommotau (Priesen). Ausserdem sind mehrere Linien im Bau begriffen und sehen in den Jahren 1871 und 1872 ihrer Eröffnung entgegen: so Annaberg-Weipert-Kommotau; Kommotau (Priesen)-Karlsbad und Dux-Bodenbach; andere Linien sind projectirt und werden bald begonnen werden, wie Nossen-Freiberg, Aue-Jägersgrün und Chemnitz-Marienberg-Kommotau, und noch andere befinden sich in den Vorbereitungsstadien, wie Freiberg-Dux und Schwarzenberg-Karlsbad.

Ausser den fertigen Eisenbahnen stehen dem Reisenden noch zahlreiche Fahrposten, die zwischen den Städten meist täglich mehrmals verkehren, zu Gebote; auch sind fast überall Miethgeschirre zu haben.