Es berührte ihn sonderbar, das Zittern der Hand zu spüren, mit der sie sein Handgelenk umfaßte, wie dem angstvollen Flehen ihrer Augen zu begegnen. Dies war nicht Gräfin Esmond, die er zuerst kennen gelernt, auch nicht die Florence, die er auf der Halde getroffen, selbst wenn sie in ihrer zutraulichsten, liebenswürdigsten Stimmung gewesen, sondern ein furchtsames Geschöpfchen, das sich wie ein Kind schutzheischend an ihn klammerte.

»Es würde mir nicht im Traume einfallen, Sie hier allein zu lassen,« sprach er beschwichtigend. »Sie kennen die Alte, die für mich sorgt — Frau Young — Sie kennen alle Welt in St. Mellions — Sie werden in ihrer Obhut sicher geborgen sein.«

»Ja — ich — das mag schon sein. Ich hatte sie vergessen.« Sie ließ seinen Arm los. »Aber, Herr Leath, Sie müssen sich nicht in dies Unwetter hinauswagen, nur weil ich hier bin. Es ist töricht — abgeschmackt! Ich kann es wirklich nicht zulassen.«

»Ich bin an Unwetter gewöhnt,« antwortete Leath heiter, »und gegen alle Unbill der Witterung gefeit. Mir schadet es nicht, bis auf die Haut naß zu werden, und der Blitz wird mich wohl nicht gerade erschlagen. Sie werden sich in Frau Youngs Obhut also nicht fürchten?«

»Nein,« stammelte Florence zögernd, »ich glaube nicht, daß ich mich fürchten würde.«

»Dann müssen Sie mich gehen lassen! In einer halben Stunde bin ich im Bungalow, und später, wenn das Gewitter nachläßt, will ich nach Turret Court gehen und Ihre Angehörigen wissen lassen, wo Sie sind. Es ist am besten so, glauben Sie mir.«

»Gut,« gab das junge Mädchen mit Widerstreben nach. »Trotzdem möchte ich viel lieber, Sie täten es nicht, Herr Leath. Aber Sie warten wenigstens, bis der Regen ein wenig nachläßt? Es gießt in Strömen — hören Sie nur! Und der Blitz — sehen Sie!«

Der Regen schlug klatschend gegen die Fenster, die Blitze waren noch ebenso blendend und ebenso häufig, der Donner klang noch ebenso nahe. Leath machte die Läden zu und zog die Vorhänge zusammen.

»Sie werden weniger ängstlich sein, wenn Sie nicht hinaussehen,« sagte er. »Ich habe hier eine Menge Bücher; Sie müssen versuchen, sich mit ihnen die Zeit zu vertreiben, und das Gewitter vergessen. Ich will eine halbe Stunde warten, ich möchte, wenn es angeht, Ihr Pferd gern sicher in den Stall bringen, ehe ich fortgehe. Wenn Sie mich entschuldigen wollen, so will ich Frau Young aufsuchen und Sie ihrer Fürsorge bis morgen früh empfehlen.«

Er verließ das Zimmer. Florence saß, ohne sich zu regen, und blickte mit einem bekümmerten Ausdruck in den Augen gerade vor sich hin; dabei entging es ihr nicht, wie häßlich, wie kahl und schmucklos der ganze Raum war, ohne etwas Hübsches oder Überflüssiges, außer Haufen von Büchern von allen Formen, Farben und Größen! Als Everard Leath seine Wohnung eingerichtet, hatte er augenscheinlich nur an das Notwendigste gedacht.