»Nach acht oder vierzehn Tagen, Gräfin, würden Sie wohl anderer Ansicht werden.«
»O, das weiß ich doch nicht recht! Wirkliche Armut ist natürlich schrecklich —«
»Das ist sie!« fiel er ihr mit bitterem Auflachen ins Wort, und sein Gesicht wurde plötzlich finster, »davon kann ich mitreden, sie ist mir mein Leben lang zur Seite geblieben, bis vor etwa zwei Jahren.«
»Aber das meinte ich nicht,« fuhr Florence fort, »nur, daß ich glaube, es lebt sich freier und leichter ohne so viel Geld und so viel Würde und so viel Dienerschaft. O, das ist mitunter sehr lästig, die Versicherung kann ich Ihnen geben — jedenfalls empfinde ich es als eine Last. Ich glaube, wir haben jetzt alles, nicht wahr? Tragen Sie das Teebrett; ich nehme das Tischtuch, und wir wollen den Tisch decken.«
Der Tisch wurde im Triumph gedeckt; dann ging es in die Speisekammer, und der größere Teil ihres Bestandes wurde auf einem anderen Teebrett in das Wohnzimmer befördert. Als sie eine Schale mit Rosen als letztes mitten auf den Tisch gestellt hatte, betrachtete Florence ihr Werk mit drolligzufriedener Miene.
»Es sieht wirklich sehr nett aus,« meinte sie. »Wenn Sie kein schlechter Reitknecht sind, Herr Leath, so darf ich wohl sagen, daß ich kein schlechtes Stubenmädchen abgeben würde. Dort ist Ihr Platz, bitte, und hier sitze ich, denn ich glaube nicht, daß ich Enten zerschneiden könnte, ebensowenig, wie ich imstande wäre, sie zu braten.«
»Das würde peinlich sein, wenn Sie arm wären, nicht wahr?« fragte Leath trocken, während sie sich setzte und er gehorsam seinen Platz einnahm. Er sprach ernst, aber sein Gesicht hatte seinen verstörten Ausdruck verloren — er drängte alle unangenehmen Erwägungen entschlossen zurück. Für den Augenblick konnte er nichts anderes tun, als die Wonne ihrer Nähe auf sich einwirken zu lassen und auf ihre heitere Stimmung einzugehen, so gut er konnte.
»Bah! Nur ein Weilchen! Ich würde mir ein Kochbuch kaufen und es lernen. Dabei fällt mir ein, daß ich jetzt wunderschönen Kaffee machen kann; deshalb bat ich Sie, den Kessel auf die Spiritusmaschine zu setzen. Nach dem Abendessen wollen wir Kaffee trinken.«
Das Gewitter tobte noch mit fast unveränderter Heftigkeit weiter, als sie nach einer Weile in die Küche zurückkehrte, um Kaffee zu kochen, und auch noch nach mehr als einer Stunde, als Florence plötzlich ein Gähnen nicht zu unterdrücken vermochte, während sie sich in ihren großen Korbstuhl zurücklehnte.
»Ich glaube, ich werde müde,« sagte sie, »und es ist doch erst zehn Uhr! Sie müssen das auf Rechnung meiner ungewohnten Anstrengung setzen, den Kaffee zu machen und das Abendbrot herzurichten. Aber daran ist mein Mangel an Übung schuld, wissen Sie.« Sie blickte lachend zu ihm hinüber. »Sie haben Orange Lily in ihren Stall gebracht; jetzt muß ich Sie, glaube ich, bitten, mir meinen zu zeigen!«