»O ja, gnädiger Herr!« Die Wirtin lächelte ebenfalls. »Darüber kann kaum ein Zweifel sein. Das war natürlich die Gräfin Florence.«

»Gräfin Florence?« Leath wiederholte den Namen mit erstauntem Blick. »Was? Ist die junge Dame verheiratet?«

»O nein. Gräfin Florence Esmond ist die Tochter eines Grafen drüben in Irland, der starb, als sie ein ganz kleines Ding war. Sie ist Sir Jasper Mortlakes Nichte — und wohnt meistens bei ihnen in Turret Court. Sie haben das Schloß vielleicht bemerkt, gnädiger Herr? Es liegt an der anderen Seite der Halde, etwa dreiviertel Stunden von hier.«

»Nein, es ist mir nicht aufgefallen,« antwortete Leath und griff wieder nach seiner Zigarre.

»Das war also Gräfin Florence Esmond!« sprach er halblaut und gedankenvoll vor sich hin, als die geschäftige Wirtin den Tisch abgeräumt und ihn allein gelassen hatte. »Ein merkwürdiger, ungewöhnlicher Name. Eines Grafen Tochter und lebt in Turret Court.«

Er lachte rauh auf, als er aufstand und durch eines der Erkerfenster in den dunkelblauen Abendhimmel hinausblickte. »Es ist ein Glück, daß ich etwas anderes als Narrenpossen im Kopfe habe, sonst könnten mir jene grauen Augen gefährlich werden, fürchte ich!«

Aber er hatte etwas anderes im Kopfe, das ihn beschäftigte, und sein Antlitz wurde düsterer und strenger, als er darüber nachsann. Nicht an Florences graue Augen, noch an die hellbraunen Locken auf ihrer weißen Stirn, noch an ihre schöngeschweiften roten Lippen dachte er. Er begann in dem engen Raume hin und her zu schreiten und beim Gehen vor sich hinzumurmeln.

»Was wohl das Ende sein wird? Wird überhaupt ein Ende kommen? Jetzt, wo ich hier bin, steigen zum erstenmal Zweifel in mir auf, ob — wenn ich nicht mein Wort verpfändet hätte — es nicht verständiger gewesen wäre, ich hätte alles gehen lassen, wie es wollte, und niemals diesen Ort betreten? Mein Plan sah Tausende von Meilen von hier nicht so verwegen, nicht so hoffnungslos aus, wie er mich jetzt dünkt. Soll ich ihn aufgeben, trotz meines gegebenen Wortes wieder gehen?«

Seine Augen flammten plötzlich auf; er ballte seine kräftige Hand. »Bah! Welche Feigheit ist das auf einmal! Ihn aufgeben! Ich will der Wolke gedenken, die meine Jugend verdüstert hat, des Sterbebettes, an dem ich vereinsamt stand, meiner acht Jahre einsamer Arbeit und schweren Ringens, und will nicht den Mut sinken lassen, noch ehe meine Arbeit anfängt!«