»Es fällt ihr zu, wenn sie mit Einwilligung eines oder ihrer beiden Vormünder heiratet; schließt sie eine Ehe ohne diese Einwilligung, so fällt das ganze an verschiedene milde Stiftungen.«
»Das ist ein wunderlicher Vorbehalt!« Leath zog die Stirn in Falten. »Wie mag das gekommen sein?«
»Ich weiß das nicht recht,« antwortete Sherriff zögernd. »Es ist seltsam, wie Sie sagen. Die einzige Erklärung, die ich dafür habe finden können, ist die, daß ihre Mutter wahrscheinlich nicht allzu glücklich in ihrer Ehe war. Es war ein offenes Geheimnis, daß der Graf seine Frau nur ihres Geldes wegen geheiratet hatte.«
»Und die letztwillige Verfügung der Gräfin sollte ihre Tochter wahrscheinlich vor einer ähnlichen Erfahrung bewahren,« bemerkte Leath nachdenklich.
»Vermutlich. Weder Sir Jasper noch die alte Herzogin würden zugeben, daß das Mädchen eine unüberlegte Heirat mit einem Glücksjäger einginge. Sollte sie bis zu ihrem dreißigsten Jahre unverehelicht bleiben, so mag die Gräfin sie wohl für alt genug gehalten haben, um ihre Interessen ohne Beistand wahren zu können. Es wundert Sie wohl, daß nur die Zustimmung eines Vormundes notwendig ist? Ich machte dieselbe Bemerkung, als Gräfin Florence, von der ich das Ganze weiß, mir die Sache erzählte. Sie lachte und sagte, daß die Herzogin und Sir Jasper niemals einer Ansicht wären und selten zusammenkämen, ohne sich zu zanken, und daß, wenn sie nicht heiraten sollte, ehe sie sich über den Bräutigam geeinigt hätten, wenig Aussicht dafür vorhanden sei, daß sie in den nächsten Jahren unter die Haube kommen würde.«
Sherriff, der gewöhnlich nicht so beredt war, griff jetzt wieder nach seiner Pfeife und begann sie aufs neue zu füllen.
»Sie ist wohl noch nicht verlobt?«
»Gräfin Florence? Nein — meines Wissens nicht. Und wenn ich sage, meines Wissens nicht, so heißt das, überhaupt nicht,« meinte der alte Herr lächelnd, »denn andernfalls würde sie es mir anvertraut haben, davon bin ich überzeugt. Nein — verlobt ist sie nicht. Ich muß gestehen, daß mich das aufrichtig freut; in dieser Gegend wenigstens kenne ich niemand, als dessen Frau ich sie sehen möchte. Wenn mich nicht alles trügt, so hat sie ein Herz, das heiß und innig lieben kann, und dieses Herzens sind nur wenige Männer wert.«
»Sie hat es wohl nicht eilig damit?« fragte Leath langsam.