»Falls Sie sich nicht irren, stimmt das, was Sie sagten.«

Leath sprach in ruhigem, hartem Tone.

»O, ich irre mich nicht! Im nächsten Monat werden es neunundzwanzig Jahre, daß er seinen Vater verlor, und damals war er in Arborfield. Nein — vor dreißig Jahren war er in England und niemals weiter als hinüber nach dem Kontinent gewesen. Was sagst du, Cis? Frühstückszeit? Ja, das mag schon sein. Ich bin bereit, wenn du es bist.«

Cis und Florence waren aufgestanden, und Harry erhob sich jetzt. Leichten Sinnes, wie er war, empfand er keine Neugier, weshalb er mit so sonderbarem Eifer ausgefragt worden, ja, er dachte gar nicht einmal darüber nach. Er verabschiedete sich mit einigen herzlichen Worten von Leath und versprach, seiner Einladung, ihn in Lychet Hut zu besuchen, sobald er dort eingezogen sei, Folge leisten zu wollen. Cis’ blaue Augen folgten Leaths hoher Gestalt mit fast gereiztem Ausdruck, als er erhobenen Hauptes schnell in der Richtung von St. Mellions dahinschritt.

»Welch ein wunderlicher Kauz er doch ist! Und wie albern, sich in deine Höhle zu setzen, Florence! Wenn es nicht zu lächerlich wäre, würde ich behaupten, daß er unverschämt genug ist, sich in dich zu verlieben, Liebling!«

Gräfin Florence antwortete nicht. Sie blickte Everard Leaths entschwindender Gestalt mit gerunzelten Brauen nach, einen bestürzten, forschenden Ausdruck in den grauen Augen. Sie hatte bemerkt, was Cis und ihrem Verlobten entgangen — die merkwürdige Veränderung in dem ernsten, gelassenen Gesicht des Australiers. Was hatte nur jenen zornigen, enttäuschten Ausdruck hervorgerufen? Sie wandte sich mit einer unschuldigen Bewegung ab, böse auf sich selbst, und doch seufzte sie. Es schien, als ob der Mensch sie immer beschäftigen, sie immer beunruhigen sollte.


9.

Everard Leath begab sich, ohne seinen Schritt zu verlangsamen, von der Halde geraden Wegs nach St. Mellions hinunter und nach dem Bungalow, der für den Augenblick sein Heim war. Auf Sherriffs dringende Einladung hatte er sein fünfeckiges Zimmer in den Chichester Arms aufgegeben, um bis zum Augenblick, da seine neue Behausung für ihn instand gesetzt sein würde, bei dem liebenswürdigen alten Herrn zu wohnen. Leath ging durch den Garten, dann durch die Veranda in das dahinterliegende Zimmer, wo Sherriff mit der Feder in der Hand über einige Rechnungsbücher gebeugt saß. Er blickte auf, als die Gestalt des jungen Mannes am Fenster erschien, und er sagte, ihn freundlich begrüßend: