Leath stand auf, trat ans Fenster und wandte Sherriff den Rücken zu. Sherriff folgte ihm mit den Augen, während eine seltsame Veränderung in seinem Gesichte vor sich ging. Als er wieder zu reden anhub, war es mit doch merklicherem Zögern als vorher.
»Liegt kein anderer Grund vor als Ihr geheimer Kummer, Leath, weshalb Sie es für besser halten, St. Mellions zu verlassen?«
»Ein anderer Grund?«
Er drehte sich hastig um. Die fragende Verwunderung, die auf seinen Zügen lag, sah wenigstens echt aus.
»Ja, Sie müssen mir nicht zürnen, wenn ich mich irre. Ich habe ebensowenig ein Recht, in dieser Sache Ihr Vertrauen zu erzwangen wie in der anderen,« sagte der Alte hastig, »aber ich habe in den letzten Tagen unter einem Eindruck gestanden, der mich recht beunruhigt hat. Gibt es noch einen anderen Grund, weshalb Sie sich von hier fortwünschen? Und ist es — Gräfin Florence Esmond?«
»Gräfin Esmond?« Das Erstaunen in Leaths Blick und Stimme wurde kaum durch die Röte, die unter seiner sonngebräunten Haut aufflammte, abgeschwächt; er sah aus, als wisse er nicht, ob er recht gehört habe oder nicht.
»Sie ist sehr schön,« fuhr Sherriff mit einer Handbewegung fort, die weiteres Leugnen oder Widerspruch abschneiden sollte, »und ich bin nicht so alt, Leath, daß ich vergessen hätte, welchen Einfluß eine Schönheit und ein Liebreiz wie der ihre auf einen jungen Mann naturgemäß ausüben muß. Ich weiß, Sie haben erst wenig von ihr gesehen, aber Sie haben genug gesehen, um unter dem Zauber ihres Wesens zu stehen. Sie haben mir erzählt, daß, obgleich Sie ihre vorübergehenden jugendlichen Schwärmereien gehabt hätten wie wir alle, Sie doch noch keine wirkliche tiefe Liebe für irgendein Weib empfunden haben.«
»Das wenigstens ist wahr.«
»Und macht die Gefahr für Sie jetzt nur um so größer. Wenn ich die Sache zur Sprache bringe, so geschieht es um Ihretwillen. Irre ich mich oder nicht?«
»Ob Sie sich irren? Ich gebe alles zu, was Sie über ihre Schönheit sagen; ich bewundere sie — jeder Mann würde das tun. Aber ich habe an andere Dinge zu denken, als an Liebestorheiten, auch wenn sie frei wäre und keine gesellschaftliche Kluft des Reichtums und der Vornehmheit zwischen uns gähnte. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, Herr Sherriff, aber ich bin gefeit. Gräfin Florence wird mich weder hier festhalten, noch mich forttreiben.«