Mitunter auch, zu Pferde oder zu Wagen, auf der Halde und auf den Feldwegen und einmal im Wohnzimmer des Pfarrhauses war Leath mit Florence und ihrer Cousine zusammengetroffen. Cis war ihm bei dieser Gelegenheit recht freundlich begegnet, — die Besuche ihres Verlobten in Lychet Hut waren ihr kein Geheimnis, — Florence huldvoll, aber weniger herzlich. Sie war mehrere Male im Bungalow bei Herrn Sherriff gewesen, seitdem Leath ausgezogen, hatte ihn aber zufällig niemals getroffen. Obwohl er nicht selten in ihre Felsenhöhle in der Klippenwand hinabstieg und eine Zigarre rauchte, während er finster auf das Meer hinausschaute, hatte er sie niemals dort gesehen. Einmal hatte er auf der untersten der drei unebenen Felsstufen ein blaues Band gefunden, das wohl von ihrem Kleide abgerissen sein mochte, das war aber auch alles. Vielleicht hielt sie sich absichtlich fern. Jedenfalls glaubte er das.

Bewußt oder unbewußt stand sie so für ihn im Zusammenhang mit der Halde, daß er niemals dort spazieren ging, — was er gewöhnlich jeden Tag tat, — ohne an sie zu denken. Folglich nahm es ihn kaum wunder, daß er ihr an einem sonnigen Nachmittage endlich dort begegnete. Er schlenderte langsam, dicht am Rande der Klippe, über den wellenförmigen Boden zwischen den Ginsterstauden und dem hohen Farnkraut dahin, und als er plötzlich die Augen von dem kurzen, sonnverbrannten Rasen, auf den er in finsterem Brüten niedergestarrt hatte, emporhob, sah er sie in einiger Entfernung vor sich stehen. Sie stand und wandte ihm das Gesicht zu, als warte sie auf ihn. Sie hatte ihn schon seit mehreren Minuten gesehen.

Er beschleunigte seinen Schritt, beschleunigte ihn um so mehr beim Anblick ihres Lächelns, und so standen sie sich nach wenigen Sekunden gegenüber, und er umschloß mit festem Drucke die Hand, die sie ihm bot. Es war das erstemal, daß er sie berührt hatte, seitdem sie sie ihm gereicht, um ihn in die Höhle hinabzuführen. Das fiel ihm ein, während er sich darüber wunderte, weshalb sie ihm heute gereicht wurde.

»Wie vertieft in Gedanken Sie waren, Herr Leath! Ich glaubte schon, ich müßte Sie anrufen, damit Sie nicht über mich stolperten,« sagte sie.

Ihre Stimme war ebenso herzlich wie ihr Lächeln, ebenso herzlich wie die warme schnelle Berührung ihrer unbehandschuhten Finger. Dennoch dachte sie sich nichts dabei; es war nur eine Laune, daß sie ihn nicht mit leisem, hochmütigem Neigen des Kopfes begrüßte und ohne ein Wort an ihm vorüberschritt. Es fiel ihr zufällig ein, liebenswürdig zu sein, — das war alles. Er wußte das sehr wohl, denn er verstand sie viel besser, als Gräfin Florence lieb gewesen sein würde, hätte sie darum gewußt.

»Ich bitte um Entschuldigung, Gräfin; ich muß gestehen, daß ich Sie nicht gesehen habe. Ich war wohl in meine Gedanken vertieft.«

»Und Sie schauten auf den Boden, wo Sie auf die See hätten hinausblicken sollen.«

»Sie haben die See gern?« fragte er.

»So gern, daß meine Cousine behauptet, ich würde nach meinem Tode in eine Nixe verwandelt werden.«