Ist die erwachsene Milbe nach der letzten Häutung noch verhältnismässig klein, so bewirkt eine reichliche Nahrungszufuhr bald ein ansehnliches Wachstum, so dass es namentlich Weibchen bis zu 1½ mm Länge giebt, während die Männchen meist erheblich kleiner bleiben. Überhaupt ist bei den Milben das Männchen meistens ziemlich viel kleiner als das Weibchen, selbst dann, wenn letzteres nicht durch die zahlreichen allmählich heranwachsenden Eier aufquillt.

Wie lange eine erwachsene Milbe zu leben vermag, ist nur selten Gegenstand des Experiments gewesen. Ich selbst habe Larven von Nesaea fuscata einen ganzen Winter hindurch gehalten, ohne dass sie sich verwandelt hätten. Andere Beobachter haben ähnliche Resultate bemerkt. Es ist wohl möglich, dass eine Milbe der erwähnten Art mehrere Jahre hindurch ihr Leben erhalten kann.

Den Beschluss dieser Darstellungen aus der Entwickelungsgeschichte der Süsswassermilben mag die Lebensgeschichte der Hydrachna globosa machen. Dieselbe ist schon von Dugès in den dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts entdeckt und seitdem oftmals bestätigt worden. Diese Wassermilbe ist, wie bereits oben gesagt, insofern bemerkenswert, als aus ihren Eiern junge Larven schlüpfen, welche von den entsprechenden der Hart- und Weichschwimmer, also auch denen von Nesaea und Atax völlig verschieden sind, dagegen mit den Larven der auf dem Lande lebenden Trombidien grosse Ähnlichkeit besitzen. Eine derartige Larve, welche aber nicht zu Hydrachna, sondern zu einer Gattung gehört, welche den Namen Hydrodroma erhalten hat, ist in [Fig. 4] abgebildet. Sie zeichnet sich durch eine mächtige Entwickelung der Kiefer aus und führt Taster, welche unmittelbar an die Taster aller trombidiumartigen Landmilben erinnern, dadurch, dass das letzte Tasterglied an dem untern Ende des vorletzten Gliedes seitlich und nicht am obern Ende eingelenkt ist. Die Füsse sind mit Krallen bewehrt, welche sich in dieser Form ebenfalls bei zahlreichen Landmilben, selbst bei Panzermilben (Oribatiden) wiederfinden. Diese kleinen scharlachroten Larven scheinen unter allen Umständen ein parasitisches Leben führen zu müssen. So heften sich die Hydrachna-Larven an Insekten, welche im Wasser leben, fest. Sehr bevorzugt wird die graue Wasserwanze, an welcher man im Frühjahr häufig die schon über stecknadelkopfgrossen Parasiten mit ihrem Kopfe in die weicheren Hautpartien an den Gelenken eingebohrt findet. Da die völlig ausgewachsene Wassermilbe schon im Juni beobachtet wird, so wird bereits Anfang Juli das Ausschlüpfen aus den Eiern stattfinden. Die jungen Milben machen ihre erste Larvenzeit teils freilebend, so lange nämlich, bis sie ein geeignetes Nährtier gefunden haben, teils als Parasiten angeheftet an letzterem durch. Diese letztere Periode erstreckt sich durch den Herbst bis zum Frühjahr. Während dieser Zeit nimmt die Grösse des Tieres durch unausgesetzte Nahrungszufuhr dauernd zu, so dass Larven bis zu 2 mm Länge an den Nährinsekten angetroffen werden. Der Hinterleib dehnt sich dabei allein aus, während die Gliedmassen keine Grössenzunahme erfahren. Gewissermassen gestaltet sich das Tier zu einer Vorratskammer von Nährstoffen um, welche nun im Frühjahr zur Neubildung der zweiten Larve verwendet werden. In dem aufgetriebenen Hinterleibe bemerkt man, wie in einem zugeschnürten Beutel ruhend, nunmehr die völlig anders gestaltete neue Milbe. Dieselbe hat acht Füsse statt der früheren sechs und zeigt ein verändertes Kopfsegment, ist überhaupt in keiner Weise vergleichbar der ersten Larve.

Fig. 4.
Erste Larve von Hydrodroma rubra.

Diese zweite Larve hat bereits im wesentlichen die Gestalt des erwachsenen Tieres, zunächst aber noch nicht dessen Grösse. Durch schnelles Wachstum erreicht sie dieselbe aber bald und begiebt sich an einen Ort, wo sie die zweite Larvenruhe durchmachen kann. Zu diesem Zweck entleert sie einen Tropfen ihres Speichelvorrats und heftet dadurch ihren langen Schnabel an die Unterlage fest an. Die Glieder verlieren ihre Beweglichkeit und der Leibesinhalt gestaltet sich noch einmal zu einem neuen Tiere um. Nach etwa zehn Tagen durchbricht letzteres die schützende Haut der ruhenden Larve. Nunmehr ist das Tier ausgebildet und erfährt nur noch ein Grössenwachstum.

Anhang.

Tabelle zur Bestimmung der bis jetzt bekannt gewordenen Gattungen der Hydrachniden.

1.

Die Augen nahe bei einander, der Mittellinie des Körpers sehr genähert

2.

Die Augen in zwei weit von einander getrennte Gruppen gesondert, dem Seitenrande des Körpers genähert

3.

2.

Sämtliche Füsse ohne Schwimmborsten

Limnochares, Latr.

Nur das vierte Fusspaar ohne Schwimmborsten

Eylaïs, Latr.

3.

Die Mandibeln eingliedrig, stechborstenartig, in einem schnabelartigen Mundrohr laufend

Hydrachna, Müller

Mandibeln zweigliedrig

4.

4.

An den Füssen keine Schwimmborsten

5.

An den Füssen Schwimmborsten

6.

5.

Auf dem Rücken zahlreiche polygonale, einander sehr genäherte erhärtete Felder

Thyas, C. L. Koch.

Eine einzige Panzerplatte bedeckt den Rücken

Aturus, Kramer.

Der Rücken durchaus weichhäutig

Bradybates, Neuman.

6.

Die Körperhaut in beiden Geschlechtern überall erhärtet

7.

Auf dem Rücken des Männchens eine denselben fast vollständig bedeckende poröse Platte, welche dem Weibchen fehlt

Forelia, Haller.

Auf dem Vorderrücken bei beiden Geschlechtern eine nur wenig umfangreiche vierzipfelige Stirnplatte

Hydrodroma, C. L. Koch.

Der Rücken bei beiden Geschlechtern durchaus weichhäutig

9.

7.

Am vierten Fusse jeder Seite keine Krallen

Marica, C. L. Koch.

Am vierten Fusse jeder Seite Krallen

8.

8.

Jederseits nur drei Haftnäpfe

Axona, Kramer.

Jederseits sehr zahlreiche kleine, porenartige Haftnäpfe

Arrenurus, Dugès.

9.

Die Taster endigen scherenförmig

Diplodontus, Dugès.

Die Taster endigen nicht scherenförmig

10.

10.

Die Epimeren sämtlicher Füsse jeder Seite bilden ein zusammenhängendes Feld

11.

Die Epimeren der Füsse jeder Seite sind in zwei von einander getrennte Gruppen gesondert

14.

11.

Der Körper bedeutend mehr lang als breit, oval abgerundet

Pseudomarica, Neuman.

Der Körper kreisrund

12.

Der Körper hinten fast gradlinig abgestutzt

Acercus, C. L. Koch.

12.

Die Haftnäpfe fehlen ganz

Pontarachna, Philippi.

Jederseits drei Haftnäpfe

13.

Jederseits zahlreiche Haftnäpfe

Midea, Bruzelius.

13.

Die Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsdeckklappe

Lebertia, Neuman.

Die Haftnäpfe auf der äussern Oberfläche der Geschlechtsdeckklappe

Mideopsis, Neuman.

14.

Am vierten Fusse ohne Krallen

15.

Am vierten Fusse Krallen

16.

15.

Jederseits drei Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsklappe

Teutonia, Koenike.

Jederseits drei Haftnäpfe auf der Aussenfläche der Geschlechtsklappe

Limnesia, C. L. Koch.

16.

Jederseits drei Haftnäpfe auf der Innenfläche der Geschlechtsklappe

Sperchon, Kramer.

Die vorhandenen Haftnäpfe neben dem Geschlechtshof in die Haut eingelassen, oder auf Platten angebracht

17.

17.

Jederseits drei Haftnäpfe

18.

Jederseits sechs oder viele Haftnäpfe

21.

18.

Am Vorderrande des vorletzten Tastergliedes ein stumpfer zapfenartiger Fortsatz neben dem fünften Gliede

Piona, C. L. Koch.

Am Vorderrande des vorletzten Tastergliedes kein zapfenartiger Fortsatz

19.

19.

Die Epimere des vierten Fusses jeder Seite am hintern Rande in der Mitte in eine längere Spitze nach hinten ausgezogen

Hydrochoreutes, C. L. Koch.

Die Epimeren des vierten Fusses jederseits hinten geradlinig abgeschnitten

20.

20.

Die Haftnäpfe klein, den Geschlechtshof völlig einrahmend

Megapus, Neuman.

Die Haftnäpfe verhältnismässig gross, auf besonderen, neben dem Geschlechtshof stehenden Plättchen eingelassen

Hygrobates, C. L. Koch.

21.

Die Krallen mit blattartig erweiterter Basis; Männchen mit besonders umgestaltetem dritten und vierten Fuss

Nesaea, C. L. Koch.

Die Krallen nicht mit blattartig erweiterter Basis, Männchen mit nicht besonders umgestalteten Füssen

Atax, Bruzelius.

Litteratur.