Laich. Dass die abgelegten schwarzen Eier eine flache Scheibe bilden, erwähnte ich schon bei Culex. Nicht selten habe ich dieselben im Freien angetroffen und auch von ausgeschlüpften Mücken erhalten, denen durch eine übergestülpte Glasglocke das Fortfliegen verwehrt war. Die Larven schlüpfen, wenn man nur das Wasser der Schale durch untergetaucht lebende Pflanzen, z. B. Riccien, frisch erhält, bald aus der Laichmasse aus.
In merkwürdiger Weise vermittelt den Übergang von Culex zu Corethra die Larve von Mochlonyx culiciformis ([Fig. 7], 10). In Körpergestalt, in Durchsichtigkeit hält sie die Mitte zwischen jenen beiden Gattungen. Wie bei Corethra finden sich zwei Paar Luftröhrenanschwellungen vorn und hinten; aber es sind auch noch die beiden freilich schwachen Längsstämme des Luftröhrensystems vorhanden und lufterfüllt, die wie bei Culex in einen Anhang des achten Hinterleibsringes ausgehen. Und nun wird dieser „Atemfortsatz“ doch wieder nicht wie bei Culex zur Atmung benutzt; die Larven schweben ebenso wie die von Corethra in horizontaler Lage im Wasser und niemals habe ich sie an die Oberfläche kommen sehen. Auch die Mundteile zeigen eine Bildung zwischen denen von Culex- und Corethra-Larven; freilich stehen sie denen der letzteren näher. In der räuberischen Lebensweise stimmen sie mit diesen völlig überein. Die Puppe schliesst sich der von Corethra nahe an. Die schon von De Geer beobachtete Larve scheint lange Zeit der Aufmerksamkeit entgangen zu sein. Ich habe sie um Berlin seit einer Reihe von Jahren vielfach gefunden und zwar stets mit Larven von Culex zusammen.
Chironomus und Tanypus. Einen dritten Typus stellen die Larven der Gattungen Chironomus und Tanypus dar, die nicht der Oberfläche oder den mittleren Schichten der Gewässer, sondern hauptsächlich dem Boden der Gewässer, und zwar sowohl fliessender wie stehender, angehören. In stehenden Gewässern sind wohl die blutroten Larven von Chironomus plumosus ([Fig. 7], 12) mit die häufigsten und auffälligsten. Gekennzeichnet sind die Larven dieser beiden Gattungen durch den Besitz von winzigen Punktaugen und von je zwei sogenannten falschen Beinen am Vorderbrustring und am Körperende ([Fig. 7], 12 f1, f2) — die Beine sind ungegliedert und mit einer Gruppe von Chitinhaken versehen —, ferner durch das Fehlen der Atemöffnungen und eines ausgebildeten Luftröhrensystems. Die Larven der beiden Gattungen unterscheiden sich unter einander vornehmlich dadurch, dass bei den Larven von Tanypus die drei Brustringe mehr oder minder zu einer Masse verwachsen, bei denen von Chironomus aber frei sind. Überdies besitzen manche Chironomus-Larven, z. B. die von Ch. plumosus, vier schlauchförmige, zarte Auswüchse an der Bauchseite des achten Hinterleibsringes ([Fig. 7], 12 a).
Atmung. Die Larven von Chironomus leben, wie schon angegeben wurde, auf dem Boden, wo sie sich mit Hilfe einer Schleimmasse, die unterhalb der Mundöffnung austritt, aus den Schlamm- oder Sandteilchen Röhren zum Schutz und Aufenthalt bauen[XXX]. Thut man z. B. in eine Schale mit Larven von Chironomus plumosus etwas Sand, so nimmt der Boden in kurzer Zeit ein Aussehen an, welches im Kleinen an das Bild einer Wiese erinnert, an deren Oberfläche zahlreiche Maulwürfe ihre Gänge gezogen haben. Zur Wasseroberfläche kommen die Larven nicht; ihre Atmung ist wie die von Corethra Hautatmung. Die Auswüchse am achten Hinterleibsring der Larve von Ch. plumosus sowie die vier Drüsen um den After unterstützen wohl die Atmung, da sie von einem lebhaften Blutstrom, in dem eigenartige, fadenförmige Blutkörperchen treiben, durchzogen werden[XXXI].
[XXX] Ob das auch für einzelne Arten von Tanypus gilt, muss ich dahingestellt sein lassen.
[XXXI] Dieser Blutstrom wird leicht bei ungünstiger Lage der Larve auf dem Objektträger unterbrochen und entgeht dann dem Beobachter. Auch mir war er früher entgangen; erst jüngst, als ich durch eine Äusserung von Hrn. Weltner, der Larven von Chironomus auf dem Boden tiefer Seen gefunden hatte, zu erneuter Beobachtung veranlasst wurde, nahm ich denselben wahr.
Hält man Larven unserer Gattungen in sauerstoffarmem Wasser, so sieht man oft, wie sie sich mit den Haken der „falschen“ Vorderfüsse an einigen Gespinstfäden, welche sie am Gefäss befestigt haben, festhalten und nun lebhaft in medianen, wellenförmigen Bewegungen das Wasser schlagen, offenbar, um sich beständig frischeres Atemwasser zuzuführen.
Bewegung und Nahrung. Am Boden bewegen sich die Larven von Chironomus mit Hilfe der vorderen und hinteren falschen Beine den Spannerraupen ähnlich fort; im Wasser schwimmen sie, wenn man es so nennen darf, recht ungeschickt ohne feste Richtung durch Sförmige Krümmungen des Körpers[XXXII]. Als Nahrung dienen ihnen die Schlammteile des Bodens oder richtiger die darin enthaltenen organischen Bestandteile.
[XXXII] Bei einer Tanypus-Larve, wohl T. monilis, beobachtete ich Schwimmen durch wellenförmige Bewegungen in der Mittelebene des Körpers.
Puppe. Auch während und nach der Verpuppung bleiben die Tiere in den Schlammröhren; dabei ist die Larvenhaut oft noch nicht vollständig vom Hinterleibsende der Puppe abgestreift. Als gutes Kennzeichen der Puppen von Chironomus ist die eigenartige Ausbildung der Vorderbrustanhänge zu erwähnen; diese sind nicht einfach und trichter- oder keulenförmig wie bei den früheren Gattungen und bei Tanypus, sondern bestehen aus einer grossen Menge zarter Fäden, die von feinen Tracheenröhren durchzogen sind und deswegen silberweiss erscheinen (vgl. [Fig. 7], 13). Sie sind also nach ihrer Bildung als Tracheenkiemen anzusprechen. Die Puppe zeigt übrigens lebhafte Atembewegungen, und zwar ein Schwingen in der Mittelebene des Körpers. Zur Zeit, wenn das Ausschlüpfen naht, steigt sie an die Oberfläche, wobei die lufthaltigen Brustanhänge ihr den Weg zeigen.