Unsere Gewässer, von der kleinsten Pfütze bis zu den grössten Seen und von der spärlichsten Quelle bis zu den wasserreichsten Flüssen, werden von Mollusken verschiedener Gattungen bewohnt. Aber obwohl die in den Gewässern vorkommenden Arten meist in reicher Individuenzahl auftreten, fallen sie dennoch dem nicht geübten Beobachter nicht so leicht ins Auge und es bedarf selbst der gewandte Sammler in der Regel besonderer Instrumente, um lebende Mollusken in grösserer Anzahl zu fangen. Leere Gehäuse werden dagegen oft in reicher Menge an gewissen Lokalitäten angeschwemmt gefunden.

Die Mollusken spielen im Haushalte der Natur eine wichtige Rolle, indem sie faulende Pflanzenstoffe, welche in den Gewässern sich ansammeln, verzehren und dadurch die Wasser rein erhalten. Die Mehrzahl der Arten werden ihrer geringen Grösse und verborgenen Lebensweise wegen leicht übersehen, doch beherbergen unsere Gewässer auch grosse, recht ansehnliche Arten, namentlich aus der Klasse der Muscheltiere, die bezüglich ihrer Entwickelungsgeschichte noch besonderes Interesse bieten.

Einteilung der Mollusken.

Die im Wasser lebenden Conchylien gehören zwei sehr verschiedenen Klassen an. Die eine besteht aus Tieren, welche einen Kopf mit Fühlern und Augen haben, die gewöhnlich an der Basis der Fühler sitzen, im übrigen aber jenen der Landschnecken, der Klasse der Gasteropoden oder Bauchfüssler ähnlich sind. Sie haben mit wenig Ausnahmen (Genus Ancylus Geoff. und Velletia Gray[LXV]) eine gewundene Schale, und ist das Gehäuse zuweilen mit einem Deckel verschlossen. Die zweite Klasse die Muscheltiere, Bivalven oder Zweischaler, haben keinen Kopf und keine Augen; das Tier besteht nur aus einem sackartigen Körper, dessen unterer, ausdehnbarer Teil als „Fuss“ die Bewegung vermittelt. Den Körper umhüllen auf jeder Seite zwei buchblattartig am Rücken angeheftete Kiemen und wird das ganze Tier von einem Mantel umschlossen, dessen Ränder entweder ganz frei bleiben, oder teilweise zusammengewachsen sind; im letztern Falle hat der Mantel einen Schlitz am Vorderteile des Tieres zum Durchgange des Fusses und eine Öffnung für die Anal- und Atemröhre. Die Schalen der Bivalven sind nicht gewunden, sondern bestehen aus zwei gleichgrossen Klappen, die durch ein elastisches Band, das Ligament, verbunden sind und sich nur wenig öffnen können. Das Tier ist an den gegenüberstehenden Enden durch zwei sehr starke Muskeln (die Schliessmuskeln), welche zugleich das Öffnen der Schalen regeln, und durch einen kleinen Wirbelhaftmuskel an die Schale angeheftet sind.

[LXV] Bezüglich der Arten und Genera verweise ich auf meine Werke: „Deutsche Excursions-Mollusken-Fauna“. 2. Aufl. Nürnberg 1884, Bauer & Raspe, und „Molluskenfauna von Österreich-Ungarn und der Schweiz“. Nürnberg 1890, Bauer & Raspe.

Die meisten Süsswassermuscheln sind freibeweglich; nur eine Art unserer heimischen Arten heftet sich durch einen Byssus (einen Büschel spröder Haare) an anderen Gegenständen an (Dreissena polymorpha Pallas [Fig. 11]).

Fig. 11.
Dreissena polymorpha.

Fig. 12.
Ancylus fluviatilis mit Tier.