Manche Fische finden sich in allen Regionen, wie Hecht, Barsch, Plötze, Stichling. Auf eine einzige der angeführten Regionen beschränkt ist kein Fisch, vielmehr werden die benachbarten Regionen auch häufig aufgesucht.

Etwas abweichend von den fliessenden Gewässern verhalten sich die Seen, deren Lebensverhältnisse wesentlich von ihrer Tiefe abhängen. Man unterscheidet hier flache Bressenseen, Seen von mehr als 20 m Tiefe, in welchen sich die kleine norddeutsche Maräne aufhält, und Seen von über 50 m Tiefe, in welchen, je nach ihrer Tiefe, verschiedene Maränenarten, der Seesaibling und die Seeforelle leben.

Bei der Wichtigkeit des Atmungsprozesses spielt die Funktionsfähigkeit der Kiemen eine grosse Rolle. Sobald ihre Oberfläche durch Trockenheit abstirbt oder sobald sie sich mit einem dichten Belag von Fremdkörpern bedeckt, sind die Fische einem raschen Erstickungstode ausgesetzt: die Ursache, weshalb Trübungen des Wassers von den Fischen gemieden werden und ihnen, wenn sie dauernd, z. B. durch Fabrikwässer, verursacht werden, den Tod bringen können.

Während das in die Mundhöhle aufgenommene Wasser durch die Kiemenspalten abfliesst, gelangt die Nahrung durch den trichterförmigen Schlund in den eigentlichen Darmtractus[47]. Der Darm der Fische ist mehr oder minder gewunden und bei den Cypriniden ein Schlauch von fast überall gleicher Weite. Bei den übrigen Fischen ist eine mehr oder minder ausgeprägte magenartige Erweiterung vorhanden. Immer ist der Magendarm durch eine ringförmige Einschnürung, die Pförtnerklappe, vom Mitteldarm getrennt. Die mit einem Magen versehenen Fische, mit Ausnahme des Welses, des Hechtes und des Hundsfisches, haben auf der Grenze zwischen Magen und Mitteldarm Blindschläuche, wenige bei den Perciden, den Kaulköpfen und Stichlingen, viele bei den Salmoniden und der Aalquappe. Der Enddarm ist im Vergleich mit dem Mitteldarm weit. Der Darm der Neunaugen ist gerade und ohne Anhänge, der des Störs trägt an der Innenwand eine spiralig verlaufende Hautleiste (Spiralklappe). Von den dem Darm anhängenden Drüsen ist die Leber schon erwähnt. Die zweite bei den Wirbeltieren sonst vorkommende Verdauungsdrüse, das Pankreas, fehlt den meisten unserer Fische; es ist bis jetzt nur nachgewiesen bei Schmerle, Stichling, Hecht, Barsch, Aal und Forelle, meist stark zerstreut zwischen den Eingeweiden[48].

Die verdauende Flüssigkeit der Fische wird daher, da auch Speicheldrüsen fehlen und die Galle nur bei der Aufnahme der Fette durch den Körper mitwirkt, meist ausschliesslich vom Darm geliefert. Dafür vermag aber auch nicht nur der Magendarm, wie bei den höheren Wirbeltieren, sondern jeder Abschnitt, selbst die kurze Speiseröhre der mit Magen versehenen Fische, Pepsin abzusondern, den Stoff, welcher in Verbindung mit der bei den Fischen reichlich vorhandenen Säure die Eiweissstoffe für die Aufnahme in den Körper geeignet macht (peptonisiert[49]). Von dem Pepsin der höheren Wirbeltiere unterscheidet sich das Pepsin wenigstens der Forelle und des Hechtes dadurch, dass es selbst bei 0° noch verdauend wirkt[50]. Die Auflösung der Nahrung beginnt schon in der Speiseröhre und braucht erst im Enddarm mit dem Auswerfen der unverdauten Nahrungsteile aufzuhören. Am kräftigsten ist die Verdauung bei den Fischfressern, minder intensiv bei den Kleintierfressern. Die Absonderung der Nahrungsflüssigkeit erfolgt wahrscheinlich von allen Zellen der Darmschleimhaut, die je nach ihrem Reifestadium ein verschiedenes Aussehen haben können[51].

Von grosser Wichtigkeit, namentlich für die Fütterung der Teichfische, ist, dass die Fische rohe Stärke, das Hauptprodukt der meisten Pflanzen, fast gar nicht zu verdauen vermögen, während gequollene (gekochte) Stärke verdaut wird[52]. Diese Thatsache bietet die Erklärung zu der erst neuerdings gehörig gewürdigten Erscheinung, dass die Fische sich fast gar nicht von Pflanzenstoffen, sondern meist von Tieren nähren, so dass in der Regel die von den Pflanzen erzeugte Nahrung erst in den Körper eines niedern Tieres aufgenommen sein muss, bevor sie zur Ernährung der Fische dienen kann. Eine nur scheinbare Ausnahme hiervon bilden die Kieselalgen (Diatomeen), welche man oft in Menge in dem Fischdarm findet. Diese in grosser Menge im Wasser auftretenden mikroskopischen Pflänzchen, welche eine Hauptnahrung vieler niederer Wassertiere bilden, erzeugen nicht, wie die meisten anderen Pflanzen, Stärke, sondern an deren Stelle Öl, das als Fett den Verdauungssäften der Fische zugänglich ist. Ähnlich verhält sich die Algengattung Vaucheria, die also den Fischen ebenfalls direkt Nahrung liefern könnte.

Als Grund für das Fehlen der stärkeartigen Stoffe in der Fischnahrung hat man angeführt, dass die Fische ebenso wie die Amphibien es nicht nötig haben, ihren Körper mit diesen wärmeerzeugenden Kohlehydraten gewissermassen zu heizen, da ihr Körper seine Wärme von dem ihn umgebenden Wasser erhält. Immerhin bewirkt auch bei den Fischen die Respiration eine Erwärmung des Körpers über die Temperatur des Wassers. Dieselbe beträgt nach Broussonet bei kleinen Fischen ½ bis ⅔°, beim Aal ¾°, beim Karpfen 1°. Despretz fand bei 10.83° C. Wassertemperatur die Körperwärme von zwei Karpfen zu 11.69°, von zwei Schleihen zu 11.54° C.

Änderungen in der Wasserwärme haben auch den grössten Einfluss auf die Lebensfunktionen der Fische, namentlich auf die Ernährung und Fortpflanzung. Während die meisten unserer Fische bei steigender Wärme laichen (Sommerlaicher: die Perciden, Kaulköpfe, Stichlinge, Wels, Cypriniden, Acanthopsiden, Hecht, Clupeiden, Störe und Neunaugen), legen andere ihre Eier bei sinkender Wärme ab (Winterlaicher: Aalquappe und die Salmoniden ausser Stint, Huchen und Aesche). Manche Arten bedürfen einer bestimmten Mindestwärme, um laichreif zu werden, namentlich die Karpfen, welche nicht in Wasser unter 19° C. laichen. Auch das Nahrungsbedürfnis ist abhängig von der Wasserwärme. In kaltem Wasser können die Fische wochenlang, ja manche Arten monatelang ohne Nahrung bestehen. Viele Cypriniden nehmen im Winter auch im Freien keine Nahrung zu sich; der Karpfen z. B. frisst nur, wenn das Wasser mindestens 9° C. Wärme hat, dabei verliert er während der Zeit, in welcher er nicht frisst, nur etwa 3–5 % seines Körpergewichtes. Bei der Bachforelle und anderen Raubfischen nimmt zwar die Fresslust im Winter ab, hört aber nicht völlig auf. Die Forelle lässt auch im Sommer in der Ernährung nach, wenn die Wassertemperatur über 25° C. steigt.

Bei höher steigender Wärme sterben die Fische. Der Karpfen verträgt eine Höchsttemperatur von 32–35° C., der Barsch eine Temperatur von 28° C.[43]. Rasche Abkühlung vertragen viele Fische ebenfalls nicht, allmähliches Sinken der Temperatur dagegen hat keinen schädlichen Einfluss auf unsere Fische, welche in eiskaltem Wasser lebend bleiben, ja, soweit sie geringe Ansprüche an Luftversorgung machen (Schleihe, Karausche), auch einfrieren können, wenn nur die Eiskälte nicht über die Eigenwärme des Fisches siegt und wenn durch die letztere eine Wasserschicht um den Fisch flüssig erhalten bleibt (Johannes Müller).

Bei direkter Einwirkung des Frostes auf den Fischkörper erstarren die Fische zunächst, können aber, wenn die Frostwirkung nicht stundenlang dauert, zuweilen wieder belebt werden. Beim Durchfrieren des Fischkörpers sterben die Fische dagegen natürlich ab[44].