Den relativ grossen Parasitenreichtum verdanken die Fische verschiedenen Umständen: zunächst wohl ihrer Eigenschaft als Wasserbewohner. Neben zahlreichen entoparasitisch die inneren Organe aufsuchenden Schmarotzern kann auch mancher Ektoparasit an der Aussenfläche des Wassertiers sich ansiedeln, der nur im feuchten Element sein Leben zu fristen vermag. So wird denn die Oberfläche des Fisches, die Haut, sowie die verhältnismässig freiliegenden, von einem fortwährenden Wasserstrom bespülten Kiemen von manchem Wurm als geeigneter Standort gewählt.
Auch die so mannigfache Ernährungsweise wird den Fischen manchen Schmarotzer verschaffen. Mit der Nahrung dringt ja der grosse Haufe ungebetener Gäste in den tierischen Körper ein. Die Parasitenfauna einer Tiergruppe, die Pflanzen- und Fleischfresser umschliesst, wird den verschiedenen Nahrungsstoffen gemäss ebenfalls mannigfaltig ausfallen.
Mit dem Atmungswasser können ferner Jugendstadien von Schmarotzern in das Innere des Fisches gelangen. Der Invasion ist somit eine neue, bei anderen Geschöpfen geschlossene Pforte geöffnet. Manche Parasiten werden auch aktiv eindringen, an wenig geschützten Körperstellen mittels spezieller Apparate sich einbohren.
Die äusseren Lebensbedingungen, unter denen der Fisch steht, seine Beziehungen zu anderen Lebewesen sind endlich sehr mannigfaltiger Natur. Mit der grösseren Vielseitigkeit dieser Beziehungen steigert sich im allgemeinen auch die Möglichkeit und Gelegenheit einer Infektion. Von zahlreichen anderen Tieren verfolgt und verzehrt wird sich der Fisch als Zwischenträger von Parasiten wohl eignen. In ihm stellen sich zahlreiche Jugendstadien von parasitierenden Würmern ein, die mit dem Fisch sicher in den Darmkanal eines weitern Wirtes übertragen werden sollen, um dort zum geschlechtsreifen Tier heranzuwachsen. So gelangen die Larven des breiten Bandwurms mit dem Fleisch von Fischen in den Verdauungstractus des Menschen. Aber auch als Hauptwirt von Parasiten ist der Fisch berufen eine grosse Rolle zu spielen; mit den zahllosen kleinen Geschöpfen, die ihm zur Nahrung dienen, können auf leichte Weise eingekapselte Larven in ihn eingeschmuggelt werden. Die Fische erscheinen durch ihre Beziehungen zu anderen Geschöpfen besonders geeignet, bald als Zwischenträger von jungen Würmern, bald als definitive Wirte der geschlechtsreifen Form zu figurieren.
So vereinigen sich manche Umstände, um den Fischkörper zu einer richtigen Parasitenherberge zu machen. Einer Invasion ist Thür und Thor geöffnet. Die Oberfläche des Wirtes und die nach aussen offenen Organe werden vorzugsweise von geschlechtsreifen Schmarotzern, geschlossene Körperteile von jungen Stadien bewohnt. Kein Organ bleibt aber gelegentlich verschont. Zwölf Fischarten des Genfersees beherbergten 37 verschiedene Parasiten, die sich folgendermassen im Körper einquartiert hatten:
| Bewohntes Organ: | Zahl der Arten: |
| Ösophag und Magen | 2 |
| Darm | 15 |
| Rectum | 2 |
| Pylor-Anhänge | 2 |
| Leber | 6 |
| Milz | 1 |
| Schwimmblase | 1 |
| Harnblase | 1 |
| Auge | 1 |
| Muskulatur | 2 |
| Kiemen | 2 |
| Leibeshöhle | 1 |
| Peritonäum und Darmwand | 8 |
Die Zahl der bis jetzt bekannten Parasiten der Süsswasserfische aus dem Kreise der Würmer ist schon eine sehr beträchtliche, sie dürfte kaum unter 250 zurückbleiben; sie steigt jährlich an und nichts lässt voraussetzen, dass die diesbezüglichen Listen so bald als vollständig geschlossen betrachtet werden können. Dem momentanen Stand unserer Kenntnisse über die Vertretung von schmarotzenden Würmern im Körper der verbreitetsten Fische des süssen Wassers dürfte etwa folgende Tabelle entsprechen:
| Name der Fische: | Zahl der bei ihm vorkommenden Parasitenarten: | ||||
| Saug- | Band- | Faden- | Kratzer. | Total. | |
| Barsch | 12 | 8 | 9 | 4 | 27 |
| Kaulbarsch | 8 | 2 | 5 | 3 | 18 |
| Zander | 7 | 1 | 2 | 3 | 13 |
| Groppe | 3 | 2 | 0 | 2 | 7 |
| Stichling | 4 | 4 | 6 | 3 | 17 |
| Aalraupe (Quappe) | 6 | 9 | 6 | 4 | 25 |
| Wels | 2 | 2 | 6 | 3 | 13 |
| Karpfen | 8 | 1 | 2 | 4 | 15 |
| Gründling | 3 | 2 | 3 | 5 | 10 |
| Barbe | 7 | 3 | 1 | 5 | 16 |
| Aitel | 7 | 2 | 4 | 2 | 15 |
| Rotauge | 8 | 3 | 5 | 3 | 19 |
| Hasel | 7 | 2 | 3 | 4 | 16 |
| Elritze | 5 | 1 | 4 | 3 | 13 |
| Schleihe | 2 | 5 | 3 | 4 | 14 |
| Laube | 3 | 4 | 3 | 3 | 13 |
| Schmerle | 3 | 2 | 6 | 2 | 13 |
| Schlammpeitzger | 3 | 0 | 3 | 0 | 6 |
| Saibling | 4 | 9 | 1 | 1 | 15 |
| Lachs | 6 | 15 | 7 | 2 | 30 |
| Forelle | 4 | 2 | 4 | 7 | 17 |
| Stint | 6 | 4 | 9 | 2 | 21 |
| Schnäpel | 4 | 2 | 3 | 1 | 10 |
| Felchen | 4 | 7 | 1 | 1 | 13 |
| Aesche | 7 | 2 | 5 | 2 | 16 |
| Hecht | 10 | 6 | 7 | 3 | 26 |
| Maifisch | 4 | 1 | 4 | 3 | 12 |
| Aal | 14 | 3 | 12 | 8 | 37 |
| Neunauge | 5 | 1 | 3 | 0 | 9 |
Die vorangehenden Zahlen bedürfen kaum eines weiteren Kommentars. Sie sind wiederum geeignet, die Abhängigkeit der Parasitenfauna von der Lebensweise des Wirtes mit Beispielen zu belegen. Am reichsten an Schmarotzern sind die grossen Räuber und die omnivoren Fische, denen sich jeden Augenblick eine Infektionsgelegenheit bietet. In ihrem Darm wohnt eine reiche Fauna von geschlechtsreifen Band- und Saugwürmern, die in die Nahrung eingekapselt leicht in den definitiven Wirt gelangt sind.
Bei den Karpfen, die mehr an pflanzliche Kost gewöhnt sind oder höchstens kleine Tiere verzehren, sinkt die Zahl der Parasiten bedeutend. Die Band- und Saugwürmer spielen hier eine untergeordnete Rolle, während die Kratzer, deren Jugendstadium in kleinen Krustaceen eingeschlossen liegt, mehr in den Vordergrund treten. Am reichsten und buntesten gestaltet sich die Parasitenfauna des Aals, dessen mannigfaltige Lebens- und Ernährungsweise ihn auch vielfacher Infektionsgefahr aussetzen wird. Fleisch- und Pflanzenfresser unter den Fischen beherbergen eine ziemlich verschiedene Schmarotzerwelt; die letzteren dienen oft als Zwischenwirte für die Parasiten der ersteren. In Fischen mit gemischter Ernährungsweise mengen sich auch die Bestandteile der beiden Faunen. Wahrscheinlich wird in ein und derselben Fischart in den verschiedenen Monaten des Jahres eine Veränderung der Parasitenwelt nach Auswahl der sie bildenden Arten und nach Zahl der Individuen sich nachweisen lassen. Die Beobachtungen über diese Schwankungen sind noch äusserst lückenhaft und lassen uns nicht einmal vorläufige Schlüsse ziehen. Immerhin glaubte ich im Reichtum der Schmarotzerfauna der grossen Räuber, Hecht, Quappe, Forelle, Saibling, während des ganzen Jahres keine wesentliche Veränderung zu bemerken. In den Karpfen dagegen vermehren sich die Parasiten nach Arten und Individuen im ersten Frühjahr, nachdem der Fisch seine Winterruhe mit einem aktiven Leben vertauscht hat. Der Barsch ist besonders im März bis Mai reichlich infiziert. Weitere Studien über die Saisonverteilung der parasitierenden Würmer wären sehr erwünscht, auf ein reiches und sorgfältig beobachtetes Material sich stützend würden sie sicher zu interessanten biologisch-faunistischen Resultaten führen.