Antoine-Augustin Renouard, der in hervorragender Weise die Eigenschaften des Buchhändlers, Sammlers und Schriftstellers in sich vereinigte, wurde 1765 in Paris geboren. Schon frühzeitig ward er von Bewunderung für die Familie des Aldus Manutius in Venedig erfüllt und von dem Wunsche beseelt, ihre Geschichte zu schreiben. Dazu sammelte er erst die Ausgaben dieser berühmten Drucker in einer an Vollständigkeit grenzenden Weise und schrieb nun seine Annales de l'imprimerie des Aldes 1803. 2 Bde. Die 3. Auflage, welche das letzte Wort der Bibliographie in Bezug auf die Aldi spricht, erschien 1834. Kaum mit diesem Werke fertig, lenkte er seine Studien auf die Familie Stephanus und 1837 erschienen seine Annales de l'imprimerie des Étienne, von welchen 1843 die zweite Auflage folgte. Das Werk hat ebenfalls seine bedeutenden Verdienste, wenn es auch nicht die Arbeit über die Aldi erreicht. Von seiner eigenen vorzüglichen Bibliothek liess er 1818 den Catalogue de la bibliothèque d'un amateur in 4 Bänden erscheinen, in welchem ein Schatz von interessanten Notizen niedergelegt ist. Sein Sohn Jules Renouard im Verein mit Jules Tardieu lieferte viele tüchtige Verlagswerke, darunter Galerie des peintres.

L. C. Silvestre * 1762.

An den obigen schliesst sich nicht unwürdig an Louis Catherin Silvestre, dessen Auktionsinstitut Weltberühmtheit erlangte. Eine Spezialität von ihm waren die Buchdruckermarken und er liess, als Fortsetzung der Werke Roth-Scholtz', seine Marques typographiques mit 1237 Abbildungen von Druckerzeichen erscheinen. Silvestre hatte in Pierre Janet einen würdigen Nachfolger.

Die neuere französische Bibliographie ist in den besten Händen und zwar in denen zweier Deutschen: C. Reinwald & Co., welche den Catalogue annuel de la librairie française herausgiebt und O. Lorenz, der den Catalogue de la librairie française seit 1840 erscheinen lässt.

M. Bossange * 1766.

H. Bossange.

Für die Verbreitung der Erzeugnisse der französischen Litteratur im Auslande hatten Martin Bossange Père[124] und dessen Sohn Hector Bossange grosse Verdienste. Nach dem Frieden mit England etablierte Bossange ein grosses Haus in London, später auch in Leipzig. Der Sohn Hector Bossange setzte das Werk des Vaters fort, gründete Buchhandlungen in Montréal in Canada, in Quebeck, New-York, Rio de Janeiro, Odessa. Sein grosser Katalog vom Jahre 1845 von gegen 31000 Werken galt als ein Musterkatalog.


Die französische Bücherproduktion hält ungefähr mit der deutschen Schritt. An Drucksachen erschienen im Jahre 1879: Bücher und Broschüren: 14122, Musikstücke 2424, Kupferstiche, Lithographien etc. 4661.

So bedeutend die Bücherausfuhr aus Frankreich sich gestaltet, so wenig konkurrieren die französischen Buchdrucker mit dem Auslande, während Belgien, England und Deutschland in der Lage sind, Druckarbeiten für das Ausland zu übernehmen. Mehr als die Arbeitsverhältnisse trägt wohl dazu bei, dass die französischen Buchdruckereien nicht so gut auf schwierige Arbeiten eingerichtet sind, wie namentlich die deutschen.