Seite für Seite nähert sich die Darstellung einer Periode, in welcher jeder dem Fach angehörende Leser nicht nur zu den Zuschauenden, sondern, durch längere oder kürzere Zeit, in mehr oder weniger hervorragender Weise zu den Mitwirkenden gehört. Von den Leistungen dieser Periode wird er sich selbst ein Bild gemacht haben und eine fertige Meinung mitbringen. Über Einzelheiten wird derselbe nicht selten genauer unterrichtet sein, als der Verfasser des Buches, und wird deshalb leicht geneigt sein, streng über letzteren zu Gericht zu sitzen, der genötigt war, die Leistungen der verschiedenen Völker auf dem typographischen Gebiete als Gesamtmasse und in ihrem Verhältnis zu einander auf einem mässigen Raume in gedrängter Übersicht vorzuführen und dem deshalb manches weniger bedeutend erscheinen könnte, was vielleicht dem Leser von einem nationalen, lokalen oder persönlichen Standpunkte von grösserer Bedeutung vorkommt. So kann es leicht geschehen, dass der Betreffende sein Ideal oder seinen Lieblings-„Meister“ nicht oder nur mit wenigen Worten erwähnt findet oder dass über einen Gegenstand, welchen die Fachjournale die Pflicht hatten, ausführlich zu erörtern, nur eine kurze Notiz gegeben ist. Diesen Lesern muss ich zu bedenken geben, einerseits, dass der vorliegende Band einen Zeitraum von fast anderthalb Jahrhunderten des mächtigsten Fortschreitens der Kunst in der alten und neuen Welt umfasst, andererseits, dass ein geschichtliches Handbuch weder ein technisches Lehrbuch noch ein geschäftliches Adressbuch oder ein empfehlender Preiscourant für Fabrikanten sein kann und darf.
In der Innehaltung der richtigen Grenze des zu Besprechenden liegt eben die Hauptschwierigkeit eines geschichtlichen Handbuches, welches bis auf den heutigen Tag heranreicht. Dass indes diese Grenze überall richtig getroffen sein sollte, darf ich nicht behaupten. Missgriffe und Fehler, sowohl hinsichtlich des Weggelassenen als des Besprochenen, können bei der grossen Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Stoffes und bei der Unmöglichkeit, überall gleichmässig orientiert zu sein, wohl vorkommen, nur hoffe ich, dass man ein tendenziöses Hervorheben oder Weglassen mir nirgends wird nachsagen können.
Über die in diesem Bande befolgte Gruppeneinteilung habe ich mich bereits in dem Vorwort zum ersten Bande ausgesprochen. Wenn ich auch bestrebt gewesen bin, jedem der maassgebenden Hauptländer sein Recht werden zu lassen, so ist es doch selbstverständlich, dass Deutschland den Anspruch auf eine etwas detailliertere Behandlung als England und Frankreich hatte, doch hoffe ich, das erlaubte Maass zugunsten Deutschlands nicht überschritten zu haben.
Obwohl die Bedeutung einer Offizin für die Geschichte sich keineswegs immer nach Zahl der Pressen oder der beschäftigten Arbeiter messen lässt — die berühmte Kunstdruckerei von H. Reiss in Wien arbeitete mit „einer“ Handpresse und „einem“ Drucker —, so schien es doch geboten, zur Vervollständigung eines Gesamtbildes des grossartigen Wirkens der heutigen Presse den Umfang der grösseren Offizinen anzudeuten, obwohl bei der Aufzählung einer Reihe von Firmen Monotonie nicht ganz zu umgehen war. Dasselbe gilt von den statistischen Angaben über ganze Länder oder einzelne Städte. Sie sind hauptsächlich auf Mitteilungen aus den Jahren 1880–1882 begründet, ohne sich durchweg an ein und dasselbe Jahr zu halten, was für den Zweck einer allgemeinen Übersicht ohne Bedeutung war.
Hätte ich die Gewissheit, das mir gesteckte Ziel, über welches ebenfalls im Vorworte zum ersten Bande näheres gesagt wurde, erreicht zu haben: „mit dem enormen aufgespeicherten Material aufzuräumen, das Nutzlose zu beseitigen und in das zurückbleibende Wertvolle einigermassen Ordnung und Übersichtlichkeit zu bringen“, so würde ich mit grosser Befriedigung die Feder nach vollbrachter, jahrelanger mühsamer Arbeit weglegen; jetzt kann ich es nur mit dem Bewusstsein thun, dass ich ehrlich bemüht gewesen, nicht gar zu weit hinter der Aufgabe zurückzubleiben.
Leipzig, den 24. Oktober 1883.
Carl B. Lorck.