DIE ROMANISCHE GRUPPE.
EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH.
DIE Romanische Gruppe, an deren Spitze Frankreich, hat, wie die Anglo-Amerikanische, vor der Germanischen den grossen Vorsprung der einheitlichen Druckschrift voraus. Hat dieser Umstand auch mitunter eine gewisse Monotonie in seinem Gefolge, so wirkt die Einfachheit und die Ruhe, die über die Druckwerke verbreitet ist, doch ungemein wohlthuend und gewährt in dem praktischen Geschäftsbetrieb und in der Ausbildung eines festen Geschmackes grosse Vorteile.
Trotz aller Beweglichkeit des französischen Charakters und dem ewigen Wechsel der in Frankreich geschaffenen Moden hat seine Typographie einen weit konservativeren Charakter als die deutsche. Der durch die Nationaldruckerei und die Didots hervorgerufene Typenduktus ist noch immer und mit Recht der herrschende geblieben. Namentlich haben die Didotschen Schriften von ihrem ersten Auftreten ab durch die strenge, jedoch anmutige Zeichnung, den regelmässigen und scharfen Schnitt, die bewundernswürdig berechnete Zurichtung in der Weite ihr Übergewicht behauptet.
Zwar hat das Streben nach vorwärts und der berechtigte Wunsch eines jeden befähigten Schriftschneiders und Schriftgiessers, den Reichtum zu vermehren, eine Anzahl von Varianten zur Folge gehabt; von allen diesen, bald mehr, bald weniger glücklichen Neuerungen kann jedoch keine ihren Ursprung verleugnen und der ältere Duktus ist geblieben. Die erwähnten zwei Druckereien, des Staates und der Didots, sind in der That für das Druckgewerbe dermassen bestimmend gewesen, wie ähnliches in keinem anderen Lande in der neueren Periode der Druckkunst vorkommt, ausgenommen allenfalls in Österreich, wo die Herrschaft der Staatsdruckerei zwar eine mächtige, jedoch nicht langdauernde war.
Neben der Einheitlichkeit der Schrift war für die französische Typographie auch die Einheitlichkeit des Schriftsystems ein förderndes Moment, deren Wichtigkeit kein Fachmann, der unter der Systemlosigkeit in Deutschland gelitten hat, unterschätzen wird.