„Ja,“ fuhr das Sandrohr fort, „so ist es nun einmal mit mir. Darum sage ich, daß mein Los so unendlich traurig ist. Unermüdlich arbeite ich daran, meinen geliebten Sand zu binden, und wenn das geschehen ist, muß ich sterben. Ich arbeite an meinem eigenen Tode. Ich arbeite für andere. Sandhaargras, Mannstreu und das bunte Stiefmütterchen treten an meine Stelle. Wenn die Düne fest wird, so daß man sich auf ihr ansiedeln kann, dann ist das in erster Linie mir zu verdanken. Darum säen die Menschen mich auch überall in den Sand, und ich tue meinen Nutzen und sterbe. Das ist meine traurige Geschichte. Es schneidet mir ins Herz, sie zu erzählen, aber ich habe es getan, damit die dumme fette Ackererde sieht, wie wir in der Düne leben und daß es jemand gibt, der den armen weißen Flugsand mehr liebt als sein Leben.“

„Mein liebes, liebes Sandrohr!“ rief der Sand und bedeckte im Nu alle seine Büschel.

„Vielen Dank!“ sagte das Sandrohr. „Nun bin ich glücklich.“

„Das ist wirklich eine rührende Geschichte,“ sagte die Erde. „Eine niedliche Geschichte für junge Mädchen von Liebe und Aufopferung. Aber wo bleibt das Grauenhafte, Spannende, Dramatische?“

Da vergaß der Sand das liebevolle Sandrohr, über das er eben erst so gerührt gewesen, und stob und flog wie ein Rasender.

„Wie böse du bist!“ sagte er. „Ich bin froh, daß ich dir nicht gleiche.“

„Hahaha!“ lachte die Erde. „Die Trauben waren dem Fuchs zu sauer.“

Der Sand sagte nichts, grämte sich aber entsetzlich. Und das Sandrohr hörte nichts, sondern wuchs unter dem Sande weiter.

Am nächsten Morgen ganz in der Frühe kroch eine kleine, unansehnliche Fliege dicht an der Stelle umher, wo das schwarze Erdreich unter dem Zaune hervorkam und wo der Sand in seinem Gram und seiner Bitterkeit lag.

„Ich will dir einen Gefallen erweisen, du lieber weißer Sand,“ sagte die Fliege.