Schneeweißchen, kling klang,

Fliegt herab den Winter lang!“

Und die Vögel des Winters kamen.

Plötzlich wurde es finster, und die Luft füllte sich mit kleinen schwarzen Pünktchen, die herabsanken und zu großen weißen Schneeflocken wurden. Sie fielen auf die Erde nieder, immer mehr und mehr, in unendlicher Mannigfaltigkeit. Weiß und stumm legten sie sich Seite an Seite, Schicht an Schicht. Und immer dicker wurde der Teppich über dem Lande.

Die Krähen und die andern suchten Zuflucht im Walde, während der Schnee fiel, und starrten mißmutig über das Tal hin. Kein Grashalm, kein Stein war mehr zu sehen. Alles war eine weiche, weiße Fläche. Nur die Bäume ragten hoch daraus empor, und durch die Wiese lief der Fluß dahin, schwarz vor Zorn.

„Auch dich kann ich bezwingen!“ sagte der Winter.

Und als es Abend wurde, gebot er dem Winde, sich zu legen. Da wurden die Wellen ganz klein und still, der Winter starrte sie mit seinen kalten Augen an, und das Eis baute seine Brücke von beiden Ufern her. Vergebens versuchten die Wellen, den Gesang des Frühlings anzustimmen. Ihre Stimme hatte keine Kraft. Vergebens riefen sie nach der Sonne des Sommers und dem frischen Winde des Herbstes. Niemand hörte ihre Klage, und sie mußten sich unter das Joch begeben.

Am nächsten Morgen war von dem Fluß nur eine schmale Rinne übrig, und als noch eine Nacht vergangen war, da war die Brücke fertig. Wieder rief der Fürst des Winters seine weißen Vögel herbei, und bald war die Schneedecke über den Fluß gebreitet, so daß man nicht mehr sehen konnte, was Land und Wasser war.

Aber keck ragten aus dem tiefen Schnee die Bäume auf, und in ihren Wipfeln schrien die Krähen. Tannen und Fichten hatten alle ihre Blätter behalten und waren so grün wie immer. Wo sie standen, da bildeten sie Deckung vor dem Frost und Schutz vorm Schnee, und der Buchfink und die andern Vögel fanden Zuflucht unter ihrem Dach.