Dann brach das Unwetter los.
Der Sturm brüllte, daß keiner das Krachen der fallenden Bäume im Walde hören konnte, das Eis wurde in Stücke zerbrochen, und die Schollen türmten sich zu gewaltigen Eisbergen auf, aber das Wasser fror augenblicklich wieder zu. Der Frost biß so tief in die Erde hinein, wie er kommen konnte, und er biß alles Lebende tot, das er in der Erde vorfand. Der Schnee stob nieder auf Wiesen und Hügel, und im Schneegestöber verschmolzen Himmel und Erde.
So ging es viele Tage lang.
Die Spatzen wußten zuletzt nicht, ob sie lebendig oder tot waren, die Krähen verkrochen sich im Tannenwalde, stumm vor Hunger und Entsetzen. Der Hirsch hatte zwei Tage lang kein einziges Büschel Gras gefunden, und brüllend, vom Hunger gequält, sprang er durch den Wald. Frierend kauerten die Mäuse in ihren Stuben, der Buchfink erfror, der Hase lag tot auf der Wiese, und der Fuchs fraß den Kadaver und war dankbar dafür.
Und als das Unwetter endlich nachließ, war es kalt wie nie zuvor. Ringsum lagen gewaltige Schneewehen, und an den kahlen Stellen, wo der Schnee vom Winde fortgeweht wurde, war die Erde hart wie Stein. Jede Pfütze war bis auf den Grund zugefroren, See und Fluß waren vereist, und der Hirsch mußte am Schnee lecken, um seinen Durst zu löschen.
Allerorten herrschte Not.
Der Igel war so zusammengeschrumpft, daß in seinem Schlupfloch, das vorher für einen zu klein gewesen war, Platz für zweie war. Die Krähen zankten sich wie verrückt um die kleinste vertrocknete, vergessene Beere. Der Fuchs schlich mit schlaffem Bauch und bösen Augen umher. Und die braunen Mäuslein entdeckten mit Entsetzen, daß sie auf dem Grunde ihrer Vorräte angelangt waren. So viel hatten sie gegessen, um sich an den schlimmen Tagen warm zu machen.