„Wie schön!“ sagte das junge Mädchen. „Ich höre das gern. Aber was hilft es mir?“
Und die Nachtigall sang wieder, glücklich und lange, und die Linden dufteten süß und stark. Dem jungen Mädchen wurde schwer ums Herz.
Da fiel ihr Blick auf einen Rosenstrauch, der unter ihrem Fenster stand, und sie bemerkte ein Lichtlein, das auf einem der Blätter leuchtete. Vorsichtig umfaßte sie den Zweig und sah, daß das Licht von einem kleinen seltsamen Tier ausging, einem Wurm mit langen Haaren am ganzen Körper.
„Was bist du für eine?“ fragte sie.
„Ich bin das Johanniswürmchen,“ sagte das Tier. „Hast du meinen Schatz nicht gesehen?“
„Nein, das nicht. — Und du, hast du den meinen nicht gesehn?“
„Nein. Ich bin ja so unglücklich!“
Das Johanniswürmchen wand sich auf dem Blatte und leuchtete, daß einem die Augen davon weh taten.
„Herrgott, meine liebe Freundin,“ sagte das junge Mädchen. „Dir scheint es genau so zu gehn wie mir. Wenn du doch Flügel hättest und zu deinem Geliebten hinfliegen könntest!“