„Ich kann nicht,“ antwortete der Wind. Und er rührte sich nicht. Es blieb still, ganz still.
„Du boshafter Wind!“ schalt der Löwenzahn. „Gestern hast du so gestürmt, daß die ganze Wäsche der Pfarrersfrau verdorben ist, und heute magst du nicht einmal meine leichten Kinderchen ein bißchen übers Feld tragen. Schämen, schämen, schämen solltest du dich!“
„Ich kann nicht anders,“ seufzte der Wind.
*
Am Sonntag morgen lag der Wind hinter der Hecke. Daneben saß eine Maus und leckte ihre Pfötchen.
„Wie du seufzest, Wind,“ sagte die Maus.
„Muß ich nicht seufzen?“ erwiderte der Wind. „Es gibt auf der ganzen Welt kein Wesen, das so unglücklich ist, wie ich.“
„Du übertreibst wohl!“ sagte die Maus. „Ja ... ich kenne dich ja nicht näher. Ich bin nur klein und halte mich an die Erde, so daß du meistenteils über meinem Kopfe dahinfährst. Aber neulich hab ich jemand in anderm Tone von dir sprechen hören.“
„Hat man mir etwas Gutes nachgesagt?“ fragte der Wind. „Wer war es? Geschwind, erzähle!“
„Der Dichter war es,“ sagte die Maus. „Hier hat er mit seiner Liebsten gesessen und ihr Verse vorgelesen, die er über dich verfaßt hatte.“