„Komet!“ sagte die Erde ernst. „Allerdings renne ich um die Sonne wie die andern Sterne, die ich vorhin erwähnte; allerdings bin ich einer der allerkleinsten darunter. Und doch bin ich überzeugt, daß ich im Grunde den Mittelpunkt der Welt bilde.“
„Du kommst außer Atem,“ antwortete der Komet. „Du pflegst ja nicht zu prahlen, wie du sagst ... Setz’ dich ein bißchen und prahle weiter!“
„Mich setzen?“ wiederholte die Erde in beleidigtem Ton. „Ja, wenn ich das täte, wäre es bald aus mit mir. Das Ganze beruht ja gerade darauf, daß ich meine Drehung um die Sonne genau ausführe. Und ich kann dir sagen: ich prahle nicht. Ich bin wirklich der wunderbarste aller Sterne ... allein meiner Menschen wegen. Ihresgleichen hat kein andrer Stern ... He, hallo! Was fehlt dir? Du rennst mir wohl gar davon?“
„Das tu’ ich allerdings,“ versetzte der Komet.
„Herrgott,“ sagte die Erde betrübt. „Kannst du denn nicht noch ein paar Jahre hier bleiben? Ich finde unser Beisammensein so gemütlich. Und das kannst du mir glauben: besonders amüsant ist es nicht, immer den gleichen Weg zurücklegen zu müssen und sich mit niemand als dem dummen Mond unterhalten zu können.“
„Wer ist das ... der Mond?“ fragte der Komet.
„Das ist der kleine Bursche, den du drüben siehst,“ antwortete die Erde, „und der mich die ganze Zeit umkreist. Es ist ein elender, pensionierter Stern, den ich zu mir genommen habe, als er sich verwahrlost im Weltraum umhertrieb. Jetzt ist er völlig erloschen — ein dummes, unglückliches Geschöpf, das man ebensogut ins Armenhaus bringen könnte. Aber hierzulande pflegt man einen Mond um sich zu haben. Der Jupiter hat sogar acht. Aber ich finde, das ist blöde Großtuerei.“
„Adieu!“ sagte der Komet.
„Bleib noch ein Weilchen!“ bat die Erde.
„Ich kann nicht,“ erwiderte der Komet. „Ich habe meine bestimmte Bahn zurückzulegen und muß mich jetzt schneller vorwärtsbewegen. Außerdem hab’ ich deine Prahlereien satt.“