Unterdessen und besonders infolge des deutsch-französischen Marokkoabkommens (S. 405) auch manche Reibereien zwischen Spaniern und Franzosen in Marokko. Die Verhandlungen mit Frankreich über die Abgrenzung der spanischen Besitzungen und Rechte in Marokko sind zur Stunde noch nicht abgeschlossen.

Portugal (S. 363) gelangt nach früheren Bürgerkriegen zu ruhigeren Zuständen unter den Königen aus dem Hause Koburg, seit 1853 (S. 352). Doch erhebt sich 1907 eine starke Bewegung gegen den Ministerpräsidenten Franco; am 1. Febr. 1908 wird König Karl I., mit ihm der Kronprinz Ludwig Philipp von Verschwörern erschossen. Sein zweiter Sohn und Nachfolger Manuel II. wird 1910 (Okt.) durch eine Revolution vertrieben, lebt in England. Portugal als Republik von den Mächten anerkannt. Trennung von Kirche und Staat durchgeführt. Bewegungen zu Gunsten der Monarchie mehrfach unterdrückt. Präsident: Manuel d’Arriaga (seit 1911).

§ 17. Die Balkanhalbinsel.

Rumänien (S. 367, 399ff.) nimmt auf fast allen Gebieten einen erfreulichen Aufschwung. Eifrige Sorge des Fürsten Karl für Heer und Landesbefestigungen, Finanzen und Unabhängigkeit des Landes, Handel und Ackerbau, Volksbildung und Gesetzlichkeit. 1881 erklären die Kammern Rumänien als Königreich. König Karl I. erhält gute Beziehungen zum Dreibund, schließt eine Militärkonvention mit Österreich.

In Serbien nimmt Fürst Milan (Obrenowitsch) 1882 den Königstitel an, dankt aber 1889 ab zu Gunsten seines 12jährigen Sohnes Alexander. Dieser erklärt sich bereits 1893 für mündig, wird 1903 samt seiner Gemahlin Draga durch eine Verschwörung ermordet. Milan, von seiner Gemahlin Natalie geschieden, † 1901 in Wien. Seit 1903 Peter I. (Karageorgiewitsch) König von Serbien (s. S. 399).

In Montenegro seit 1860 Fürst Nikita (Nikolaus). Bei der Feier seines Regierungsjubiläums 1910 nimmt er ebenfalls den Königstitel an.

In Bulgarien wird 1879 Prinz Alexander von Battenberg (Hessen), ein Neffe des russischen Kaisers Alexander II. von der Sobranje (Deputiertenkammer) zum Fürsten erwählt.

1885.

Erhebung der Bulgaren gegen die Türken; Ostrumelien (S. 401) vereinigt sich mit dem Fürstentum Bulgarien, gegen Rußlands Willen. Serbien (König Milan) beginnt Krieg gegen Bulgarien. Fürst Alexander besiegt die Serben bei Slivnitza und Pirot (Nov. 1885), schließt aber auf Verlangen Österreichs Frieden. Er wird 1886 von der russischen Partei vertrieben, doch bleibt Ostrumelien mit Bulgarien vereinigt. Sein Nachfolger Ferdinand I. von Koburg-Kohary (S. 352) stützt sich zunächst auf Österreich, wird 1896 auch von Rußland anerkannt. Seine Diplomatie und das Ansehen seines Heeres setzen ihn in den Stand, 1908 die Erhebung Bulgariens (mit Ostrumelien) zu einem von der Türkei völlig unabhängigen Königreich ohne Schwertstreich durchzusetzen. Seitdem entschiedene Anlehnung an Rußland.

Griechenland, seit 1863 unter König Georg I. (v. Dänemark), 1864 durch Abtretung der Ionischen Inseln von seiten Englands (s. S. 341) vergrößert, erhält 1881, da die Großmächte ihr Verlangen an die Türkei (S. 401) erneuern, Thessalien und einen kleinen Teil von Epirus.