»Das gebe Gott!« entgegnete die Senatorin phlegmatisch und die Hände in dem Schooß faltend: »ich reiße mich nicht gerne aus meiner Ruhe, und verlasse nicht mit Plaisir dieses Haus. Aber, wenn du in der That ein so schlechter Mensch wärst, wie die Leute sagen....«

»Schweig!« unterbrach sie der Senator finster, denn Justine kam mit Rock, Mantel, Hut und Degen. Während Müssinger sich in den Interimsstaat der Rathsherren warf, kam auch Georg Birsher hinzu. »Ich komme, Ihnen für die Bewahrung meines Eigenthums zu danken,« sagte er zu dem Senator: »welche Gerüchte haben sich jedoch zu meinem Ohr gefunden? Meines Vaters Geist soll sich gezeigt, und sich endlich, von einer muthigen Amazone ergriffen, in einen Ladenschwengel verwandelt haben?«

»Dummes Zeug!« erwiderte der Senator verdrießlich: »das Domestikenvolk hat doch tausend Zungen. Beruhigen sich Ew. Edeln. Es war ein einfältiger Nebenbuhlerstreich.«

»So?« versetzte Birsher lächelnd: »die Bosheit scheiterte sicherlich an Ihrem Ringe, beste Jungfer Braut. Die Wilden meines Vaterlandes beschenken sich mit solchen Talismanen, und vielleicht ist dieser Ring ein solcher. Erlauben Sie, Verehrteste, daß ich Ihren Heldenmuth und Ihre Treue mit diesem Diamantschmucke belohne, der freilich schon Ihr Eigenthum ist. Die Rose von Edelsteinen, die ich ebenfalls in dieses Kästchen gelegt habe, bitte ich, Ihrer Frau Mama, meiner allerwerthesten Schwiegermutter, als ein dürftiges Pfand meiner Ergebenheit zuzustellen.«

Er hielt dem Mädchen freundlich das geöffnete Etui hin, aus welchem ein Meer von Demantenglanz strahlte. Die Senatorin zwinkerte lüstern mit den Augen; Justine, ein weigerndes Compliment machend, las in dem Gesichte des Vaters, dessen Sinnesänderung sie beunruhigte. Der Senator bemerkte ihre Verlegenheit, und fuhr rasch und lebendig dazwischen: »angenommen meine Tochter!« sagte er freundlich und dringend: »alles geht wieder im rechten Gleise! Die Stimmen aus der Unterwelt haben gelogen, und im Uebrigen.... will ich schon fertig werden. Ew. Edeln werden also mein Schwiegersohn!«

Die Senatorin hatte sich der Diamanten bemächtigt, und bekräftigte des Mannes Wort mit einem tiefen verbindlichen Knix. Der Amerikaner umarmte den Senator, küßte der Senatorin beide Hände, der beruhigten Justine beide Wangen und die Stirne.

»Eine Bedingung indessen!« fuhr der Senator zwischen beide Verliebte tretend fort: »ich trage an Sie, bester Sohn und Handelsfreund, eine heilige Schuld ab, indem ich Ihnen meine Liebste gebe. Ich habe jedoch meine Gründe, warum ich die Heirath für's Erste ganz geheim gehalten, und endlich in Bälde und Stille gefeiert wissen will, damit nicht ferner eine Albernheit dazwischen komme. Mein Buchhalter und —« hier seufzte er — »Doctor Leupold schweigen wie beeidigte Männer. Knall und Fall! heute über acht Tage die Copulation in Liebkirchen; und dann, mein Brautpaar, zu Schiffe, und fort, in Gottes Namen! Jetzo aber Gott befohlen!«

»Wenn Justine mein wird,« sagte Georg, »so bedarf ich keines Gepränges, und so wenig ich mir's nehmen lassen werde, zu New-York mit einer hübschen Frau groß zu thun, so wenig dringe ich hier — in der fremden Stadt — auf diese Befriedigung meiner Eitelkeit. In vierzehn Tagen ungefähr geht ein holländisches Schiff, das auf dem Texel liegt, nach Amerika unter Segel. Ich werde an van den Höcken schreiben, daß er dessen Cajüte für uns miethe. Bis dahin sind wir zu Amsterdam und reisefertig. Nicht wahr, Justine?«

Justine nickte stumm aber bewegt mit dem Kopfe. In der Senatorin Gesicht zeigte sich sogar ein flüchtiger Wehmuthsschatten des Gedankens an Justinens Scheiden. Dem Senator gingen die Augen über. Er drückte Allen hastig die Hände, und entfernte sich rasch, seinen Geschäften nachzugehen.