Ihre Kraft in abgestecktem Raum aufs beste noch zu nützen, trat sie in das Altfrauenhaus ihrer ländlichen Gemeinde ein. Zwanzig in durchschnittlichem Leben abgeblaßte Seelen traf sie dort, erloschene Flämmchen, die sich schämten, noch zu schwelen. In verschlissenen Kleidern, das weibliche Aussehen arg vernachlässigt, schlichen diese menschlichen Trümmer unsicher im Dämmerlicht.
Meta wie Jugend, Sturm und himmlische Überredung fuhr in sie. Rollte ihnen den Film des Lebens zurück, wies die häufigen Höhen und zeigte einer jeden an der entsprechenden Stelle ihre ganz unvergleichliche, irdische Wirksamkeit. In welken Brüsten entzündete sie eine späte aber vollkommene Überzeugung von der einzigen Bedeutung dessen, wofür sie geblüht hatten.
Und jede dieser Kreaturen setzte einige schüchterne Schößlinge an. Das kahle Holz begann zu treiben in der Gewißheit, solange es lebte, am neuen Morgen noch immer den ersten Tag zu haben. Es wurde das Licht der Augen wieder hell; die Hauben gebügelt und gewaschen, bekamen Rüschen; Spitzen und gefälteltes Weiß sahen aus den Ärmeln. Finger, Ohren und das gepflegte Tuch der dunklen Kleider waren plötzlich goldgeschmückt.
Nach vollbrachtem Tagwerk findet man die Runde der Weiber allabendlich um die gewaltige Tafel: aus den Hälsen die Häupter steif gehoben, die Hände wie bewiesene und bedeutende Einheiten breit auf die Platte des Tisches gestreckt, lauschen sie andächtig Metas Rede. In allen Antlitzen aber brennen zinnoberrot hektische Flecken, und manchmal klopft zu dem Gesprochenen ein Fuß mit hohem Bewußtsein den Boden.
Als vom benachbarten Kloster die Nonne Äbtissin, die von Metas Hochgemutsein in der strengen Abgeschiedenheit gehört hatte, sie aufsuchte und, mit ihr plaudernd, meinte, vielleicht sei das Kloster auch für den Rest ihrer Tage der rechte Ort, gab die alte Magd bescheiden doch gewiß dies zurück:
Ihr seid nicht stolz genug auf euch, ihr klösterlichen Weiber. Mir gefällt nicht die Demut, das Bedauern eigener Unzulänglichkeit und nicht Unterwerfung unter hohe, unumstößliche Vorschrift. Schönste, irdische Wirklichkeit bin ich mir selbst, und auch vor meinen Herrn will ich einst so treten, daß er mich als das Höchstpersönliche erkennt, welches er, von aller Menschheit streng unterschieden, einst schuf, und das er „Meta“ nannte.
ENDE