Das Gefecht ist die eigentliche kriegerische Tätigkeit; alles übrige ist nur Träger. Gefecht ist Kampf, und in ihm ist die Vernichtung oder Überwindung des Gegners der Zweck.
Was ist die Überwindung des Gegners? Immer nur die Vernichtung seiner Streitkraft, sei es durch Tod oder Wunden oder auf was für eine andere Art, sei es ganz und gar, oder nur in einem solchen Maße, daß er den Kampf nicht mehr fortsetzen will. Wir können also, solange wir von allen besonderen Zwecken der Gefechte absehen, die gänzliche oder teilweise Vernichtung des Gegners als den einzigen Zweck aller Gefechte betrachten.
Die unmittelbare Vernichtung der feindlichen Streitkräfte ist überall das Vorherrschende. Wir stellen also das Vernichtungsprinzip auf. Indessen befinden wir uns in der Strategie und nicht in der Taktik und dürfen also nicht von den Mitteln sprechen, die jene haben mag, mit wenig Kraftaufwand viel feindliche Streitkräfte zu vernichten, sondern müssen daran erinnern, daß wir unter unmittelbarer Vernichtung die taktischen Erfolge verstehen. Unsere Behauptung lautet also, daß nur große taktische Erfolge zu großen strategischen führen können, oder, bestimmter ausgedrückt, daß die taktischen Erfolge von vorherrschender Wichtigkeit in der Kriegführung sind.
Die Frage, ob ein einfacher Stoß oder ein mehr zusammengesetzter, kunstvoller größere Wirkung hervorbringt, mag unzweifelhaft für den letzteren entschieden werden, solange der Gegner als ein leidender Gegenstand gedacht wird. Allein jeder zusammengesetzte Stoß erfordert mehr Zeit, und diese Zeit muß ihm gegönnt werden, ohne daß durch einen Gegenstoß auf einen der Teile das Ganze in den Vorbereitungen zu seiner Wirkung gestört wird. Entscheidet sich nun der Gegner zu einem einfacheren Stoß, der in kurzer Zeit ausgeführt ist, so gewinnt er den Vorsprung und stört die Wirkung des großen Plans. Man muß also bei dem Werte des zusammengesetzten Stoßes alle Gefahren in Betracht bringen, die man während seiner Vorbereitung läuft, und kann ihn nur anwenden, wenn man vom Gegner nicht zu fürchten braucht, durch einen kürzeren gestört zu werden. Sooft dies der Fall ist, muß man selber den kürzeren wählen und in diesem Sinne so weit hinuntersteigen, als es der Charakter, die Verhältnisse des Gegners und andere Umstände nötig machen. Verlassen wir die schwachen Eindrücke abstrakter Begriffe und steigen wir ins wirkliche Leben hinab, so wird ein rascher, mutiger, entschlossener Gegner uns nicht Zeit zu weitaussehenden künstlichen Zusammensetzungen lassen, und gerade gegen einen solchen bedürfen wir der Kunst am meisten. Hiermit, scheint es uns, ist das Vorherrschen der einfachen und unmittelbaren Erfolge vor den zusammengesetzten schon gegeben.
Unsere Meinung ist also nicht, daß der einfache Stoß der beste sei, sondern daß man nicht weiter ausholen dürfe, als der Spielraum erlaubt, und daß dies immer mehr zum unmittelbaren Kampf hinführen wird, je kriegerischer der Gegner ist. Also weit entfernt, den Gegner nach der Richtung zusammengesetzter Stöße hin überbieten zu dürfen, muß man vielmehr suchen, ihm nach der entgegengesetzten Richtung hin immer voran zu sein.