Die Schicksale der Großen Armee in Rußland haben den tiefsten Eindruck auf Clausewitz und seine strategischen Erkenntnisse hinterlassen. Dem Mißerfolg des genialen Eroberers wissenschaftlich nachzuspüren, ist er in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens nicht müde geworden, und es zeugt von der hohen geistigen Überlegenheit dieses preußischen Offiziers, daß er bei all seiner glühenden Vaterlandsliebe sein Leben lang der gerechteste Verehrer Napoleons blieb. Unberührt vom blinden Hasse der Zeit, lag es Clausewitz ob, weiter als die Menschen von damals zu blicken und dadurch für die Zukunft seines zu einem weltmächtigen Deutschen Kaiserreiche erweiterten Vaterlandes Dauerndes zu schaffen.
Kaum geht man wohl fehl, wenn man die berühmteste These im Buche Vom Kriege: Die Verteidigung sei die an sich stärkere Form der Kriegführung – vor allem auf die unmittelbaren Erfahrungen des Generals im russischen Feldzuge zurückführt. Dieser auffälligen Lehre gebühren selbst im Rahmen dieser knappen Vorrede ein paar Worte. Jedermann in der Welt weiß, daß unsere Armee den Geist der Offensive über alles hochhält und bis ins kleinste zu betätigen strebt. Um so fremder erscheint uns die Verherrlichung der Verteidigungstheorie bei Clausewitz, der die Offensive erst aus vorheriger Defensive, aus dem Abwarten heraus entwickelt. So sehr unsere Heerführer bis auf den heutigen Tag von dem stählernen Kern der Lehren des Generals von Clausewitz, dem Vernichtungsgedanken, überzeugt sind: in dem einen Problem ist er vielumstritten worden, noch kurz vor dem großen Kriege Englands gegen unsere Daseinsberechtigung, durch den General v. Bernhardi, den Verfasser des hervorragenden Buches »Vom heutigen Kriege«, das zugleich als das bedeutendste Ergänzungswerk zum alten Clausewitz neben den gelehrten »Studien nach Clausewitz« des Generals Freiherrn v. Freytag-Loringhoven, des jetzigen Generalquartiermeisters, hier zu nennen ist.
Dresden, 1915 Hauptmann Dr. Arthur Schurig
[Wesen und Ziel des Krieges]
Der Krieg ist nichts als die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen Mitteln.
Seit Napoleon Bonaparte hat sich der Krieg, indem er zuerst auf der einen Seite, dann auch auf der anderen wieder Sache des ganzen Volkes wurde, seiner wahren Natur, seiner absoluten Vollkommenheit sehr genähert.
Der Krieg ist ein erweiterter Zweikampf. Jeder sucht den andern durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen.