Je kleiner der Teil der Streitkraft ist, der wirklich gefochten, je größer der ist, der als Reserve durch sein bloßes Dasein mitentschieden hat, um so weniger kann uns eine neue Streitkraft des Gegners den Sieg wieder aus den Händen winden. Der Feldherr wie das Heer, die es am weitesten darin gebracht haben, das Gefecht mit der größten Ökonomie der Kräfte zu führen und überall die moralische Wirkung starker Reserven geltend zu machen, gehen den sichersten Weg zum Siege. Man muß den Franzosen, besonders wenn Bonaparte sie führte, eine große Meisterschaft darin einräumen.

Ferner wird der Augenblick, wo beim Sieger der Zustand der Gefechtskrisis aufhört und die alte Tüchtigkeit zurückkehrt, um so früher eintreten, je kleiner das Ganze ist. Eine Reiterfeldwache, die ihren Gegner spornstreichs verfolgt, wird in wenig Minuten wieder die alte Ordnung gewinnen, und länger dauert auch die Krisis nicht. Ein ganzes Regiment Reiterei braucht dazu schon mehr Zeit. Noch länger dauert es beim Fußvolk, wenn es sich in einzelne Schützenlinien aufgelöst hat, und wieder länger bei Abteilungen von allen Waffen, wenn ein Teil diese, der andre jene zufällige Richtung eingeschlagen und dies eine Störung der Ordnung veranlaßt hat, die gewöhnlich dadurch erst schlimmer wird, daß kein Teil recht weiß, wo der andre ist.

Wieder später tritt dieser Augenblick ein, wenn die Nacht den Sieger in der Krisis überrascht; und endlich tritt er später ein, wenn die Gegend durchschnitten und verdeckt ist.


Die Gefahr, sich auf zwei Seiten schlagen zu müssen, und die noch drohendere, keinen Rückzug zu behalten, lähmen die Bewegungen und die Kraft des Widerstandes und wirken auf die Alternative von Sieg und Niederlage; ferner steigern sie bei der Niederlage den Verlust und treiben ihn oft bis an die äußerste Grenze, d. h. bis zur Vernichtung. Der bedrohte Rücken macht also die Niederlage zugleich wahrscheinlicher und entscheidender.

Hieraus entsteht ein wahrer Instinkt für die ganze Kriegführung und besonders für die großen und kleinen Gefechte: nämlich die Sicherung des eigenen Rückens und die Gewinnung des feindlichen. Er folgt aus dem Begriff des Sieges, der, wie wir gesehen haben, noch etwas anderes als bloßes Totschlagen ist.


Die Wirkung einer Überraschung in Seite und Rücken ist immer gesteigert, und ein in der Krisis des Sieges Begriffener ist in seinem ausgereckten und zerstreuten Zustande weniger imstande, ihr entgegenzuwirken. Wer fühlt es nicht, daß ein Seiten- und Rückenanfall, der im Anfang des Gefechts, wo die Kraft gesammelt und für solche Fälle immer vorgesehen ist, wenig bedeuten würde, ein ganz anderes Gewicht im letzten Augenblick des Gefechtes bekommt.

In den meisten Fällen wird eine von der Seite oder im Rücken des Gegners herbeikommende Hilfe viel wirksamer sein, sich wie dasselbe Gewicht an einem längeren Hebelarm verhalten, so daß man also unter solchen Umständen die Herstellung eines Gefechts mit derselben Kraft unternehmen kann, die auf dem geraden Wege nicht zugereicht hätte. Hier, wo die Wirkungen fast jeder Berechnung ausweichen, weil die moralischen Kräfte ganz das Übergewicht gewinnen, ist das rechte Feld der Kühnheit und des Wagens.