Die Sache würde eine Art von innerem Zusammenhang haben, und die Theorie des Krieges dabei weniger in Verlegenheit kommen, wenn diese zugesagte Hilfe dem im Kriege begriffenen Staate völlig überlassen würde, so daß er sie nach seinem Bedürfnis brauchen könnte. Alsdann wäre sie wie eine gemietete Truppe zu betrachten. Allein davon ist der Gebrauch weit entfernt. Gewöhnlich haben die Hilfstruppen ihren eigenen Feldherrn, der nur von seiner Regierung abhängt und dem diese ein Ziel steckt, wie es sich mit der Halbheit ihrer Absichten am besten verträgt.
Es ist eine Eigentümlichkeit der Kriegführung Verbündeter, die nicht von der äußersten Gefahr zur Einheit und Konsequenz gedrängt wird, daß die geteilten politischen Interessen ihr Spiel treiben, Uneinigkeit, Widersprüche und zuletzt völligen Unsinn hervorbringen.
Wenn eine Macht allein Krieg führt, mag sie Zeit und Kräfte nach Gefallen verschwenden. Es entsteht wenigstens kein zweiter Nachteil daraus. Aber bei einem Bündniskriege kann es nie fehlen, daß auffallende Untätigkeit des einen den andern entweder zu ebensolcher veranlaßt oder so empört, daß ein baldiger Bruch des Bündnisses erfolgt.
Schon die Führung einer Armee, von der drei Viertel einem fremden Monarchen gehört, ist ein Auftrag ganz andrer Art als die Führung einer Armee entweder als Landesherr oder wenigstens mit der Autorität einer nach und nach in ihr erworbenen Feldherrnwürde. Wer fühlt nicht, daß man in seinem eigenen Hause ein ganz anderer Herr ist als in einem fremden, trotz aller übertragenen Machtvollkommenheit?
Man kann ganz allgemein sagen, daß alle die unglücklichen Kriegsunternehmungen, die durch eine Reihe von Fehlern hervorgebracht sind, niemals in ihrem inneren Zusammenhang so beschaffen sind, wie die Allgemeinheit glaubt. Die Leute, die handeln, wenn sie auch zu den schlechtesten Feldherren gehören, sind doch nicht ohne gesunden Menschenverstand und würden nimmermehr solche Torheiten begehen, wie der Laie und die historischen Kritiker ihnen in Bausch und Bogen anrechnen. Die meisten Beurteiler wären erstaunt, wenn sie alle die näheren Motive des Handelns kennen lernten, und höchstwahrscheinlich ebensogut verleitet worden wie der Feldherr, der jetzt wie ein halber Schwachkopf vor uns steht. Fehler müssen allerdings vorhanden sein; nur liegen sie gewöhnlich tiefer, in Fehlern der Ansicht und in Schwächen des Charakters, die nicht auf den ersten Blick als solche erscheinen, sondern die man erst auffindet und deutlich erkennt, wenn man alle Gründe, die den Besiegten zu seinem Handeln bestimmt haben, mit dem Erfolg vergleicht. Dieses Finden des Wahren hinterher ist der Kritik gestattet; es kann ihr nicht höhnisch vorgeworfen werden, sondern ist ihr eigentliches Geschäft, das aber allerdings viel leichter ist als das Treffen des Rechten im Augenblick des Handelns.
Es ist darum in der Tat eine Torheit, wenn wir fast sämtliche Armeen den Grundsatz befolgen sehen, über unglückliche Kriegsereignisse so wenig als möglich bekanntzumachen. Die Dinge, bis ins einzelne bekanntgemacht, werden sich immer viel besser ausnehmen als in Bausch und Bogen.