Trockne die Stirne geduldig; es reift
Nur an der Sonne heis glühendem Strahl,
Was uns erquicket beim köstlichen Mahl;
Nichts ohne Müh' hier gedeihet.
Der Herbst.
Wenn die Jugend reiche Saat,
In das Feld gesenket hat,
Lohnt die Erndte jede Müh;
Darum denke oft an sie. –
Ausser diesen genannten Masken waren noch Schäfer und Schäferinnen, Pilger und Pilgerinnen, Ritter und Nonnen u. a. m. zu sehen. Manche Kinderchen konnten ihre Sprache, und andere Eigenthümlichkeiten nicht genug verstellen, diese wurden dann natürlich gleich erkannt. Bei Manchen aber rieth man lange hin und her, und immer falsch, so, daß sogar einige aus kindischer Ungeduld die Masken vom Gesicht nahmen, und sich selbst zu erkennen gaben. Daß viel dabei gelacht wurde, werden meine lieben Leser und Leserinnen leicht glauben. Endlich trat ein Kellnermädchen in baierischer Tracht vor Franzen hin, und presentirte ihm auf einem Teller schweigend ein Glas süße Mandelmilch. Das Mädchen trug einen dunkeln Rock, nebst kurzer weißer Schürze, weite lange Hemdermel, ein schwarz-samtnes Leibchen, mit rothem Brustlaz, welches eine silberne Kette schnürte; inwendig einen fein gefälteten Hemdkragen, und ein seidnes Halstüchlein darüber herumgeschlungen; Auf dem Kopf ein kleines silbernes Häubchen; Nach kurzem Anschaun rief Franz lachend: »Ei meine Bertha! seht doch! seht wie schmuck das Mädel aussieht! Nun gieb mir nur deine gute Erfrischung, und nimm dafür meinen schönsten Dank.« Schnell entfernte sich die Kleine, um sich nicht durch Lachen zu verrathen, denn es war – Emma. Ihr folgte die Schwester, Jenem eine Schale Zwieback hinreichend, von welchem er dankend nahm, sich über den schwesterlichen Anzug freute und nun Bertha für Emma hielt, bis beide vor ihm standen, und schäckernd eine jede fragte: »Wer bin ich? Sprich, wer bin ich?« – Die holden Kellnermädchen tanzten anfangs wenig, sondern spielten ihre Rolle recht natürlich, indem sie sich geschäftig der Bewirthung annahmen, wo aber beständig eine Verwechslung der Schwestern zu Schulden kam. Nach einer Weile entfernte sich Franz auf einen Wink der Mutter, und kam im Anzug eines Tyrolers, der Teppiche zum Verkauf über der Achsel trug, ins Zimmer zurück. Bald warf er jedoch die Decken ab, und fing an zu Tanzen. Sein Herz zog ihn vor Allem zu den lieben Schwesterchen; er holte sich Bertha, ob er gleich Emma der Ältern den Vorzug zugedacht hatte; sprach jene aber immer als diese an; und das lose Mädchen ließ ihn lange auf seinen Glauben, redete wenig und schlug den Blick zu Boden; denn noch immer waren die Schwestern an den Unterschied der Stimme und Augen am kennbarsten. Endlich hielt Bertha im Tanzen inne, rief Emma zu sich und sagte: »Franz will mit Dir Tanzen, und nur durch einen Irrthum ist die arme Bertha des Glükes theilhaftig geworden. Zur Strafe für seine Partheilichkeit wollte ich nun den Herrn Bruder ein Weilchen zum besten haben. Doch Bertha's Zorn ist gar schnell verraucht, und also auch dem Herrn Geburtstäger in Gnaden vergeben.« –