Thäler in der Nähe der Küste. – Diese sind breit, sehr flach und meistens von niedrigen, aus Felsklippen gebildeten Seiten eingefaszt. Theile der basaltischen Ebene werden von ihnen zuweilen beinahe oder auch gänzlich isolirt, für welche Thatsache der Raum, auf welchem die Stadt Praya steht, ein Beispiel darbietet. In dem groszen Thale westlich von der Stadt ist der Boden bis zu einer Tiefe von mehr als 20 Fusz mit gut abgerundeten Rollsteinen aufgefüllt, welche an einigen Stellen durch eine weisze kalkige Masse fest mit einander verkittet sind. Nach der Form dieser Thäler kann daran kein Zweifel sein, dasz dieselben durch die Wellen des Meeres während jener gleichförmigen Erhebung des Landes ausgehöhlt worden sind, für welche die horizontale kalkige Ablagerung mit den darin enthaltenen jetzt existirenden Species mariner Fossilreste einen Beweis gibt. Bedenkt man, wie gut Schalthiergehäuse in dieser Schicht erhalten worden sind, so ist es eigenthümlich, dasz ich in dem Conglomerate auf dem Grunde der Thäler auch nicht einmal ein einziges Muschelfragment finden konnte. Die Schicht von Rollsteinen in dem Thale westlich von der Stadt wird durch ein zweites, sich mit diesem als ein Nebenthal verbindendes gekreuzt; aber selbst dieses Thal erscheint viel zu breit und flachgrundig, als dasz es durch die geringe Menge Wasser hätte gebildet werden können, welches hier nur während der einen kurzen nassen Jahreszeit niederfällt; denn zu andern Zeiten des Jahres sind diese Thäler absolut trocken.

Recentes Conglomerat. – An den Ufern von Quail Island fand ich Bruchstücke von Ziegeln, eiserne Bolzen, Rollsteine und grosze Basalt-Fragmente mittelst einer spärlichen Grundmasse von unreiner kalkiger Substanz zu einem festen Conglomerate verbunden. Um zu zeigen, wie auszerordentlich fest dieses neuere Conglomerat ist, will ich erwähnen, dasz ich mit einem schweren geologischen Hammer den Versuch machte, einen dicken eisernen Bolzen herauszuschlagen, welcher ein wenig oberhalb der Ebbgrenze eingeschlossen war, dasz ich aber nicht im Stande war, dies zu erreichen.

[1] Der Umrisz der Küste, die Lage der Ortschaften, Wasserläufe und der meisten Berge auf diesem Holzschnitte sind nach der an Bord des »Leven« gemachten Karte copirt. Die plattgipfeligen Berge (A, B, C u. s. w.) sind nur nach dem Augenmasze eingezeichnet, um meine Beschreibung zu erläutern.

[2] Ich bin Mr. E. W. Brayley sehr dafür verbunden, dasz er mir die folgenden Verweisungen auf Abhandlungen über diesen Gegenstand gegeben hat: Faraday, in: New Philosoph. Journal, Vol. XV. p. 398; Gay Lussac, in: Annales de Chimie et de Physique, Tom. LXIII. p. 219, übersetzt in: London and Edinburgh Philos. Magazine, Vol. X. p. 496.

[3] So lange er noch tief unter der Oberfläche war, fand sich, wie ich vermuthe, der kohlensaure Kalk im flüssigen Zustande. Es ist bekannt, dasz Hutton der Ansicht war, dasz alle Mandelsteinbildungen durch Tropfen geschmolzenen Kalksteines, welche im Trapp wie Öl im Wasser schwämmen, hervorgebracht wären: dies ist ohne Zweifel falsch; wenn aber die den Gipfel des Red Hill bildende Masse unter dem Drucke eines mäszig tiefen Meeres oder innerhalb der Wände eines Gangs abgekühlt wäre, so würden wir aller Wahrscheinlichkeit nach ein mit groszen Massen compacten, krystallinischen kalkigen Spaths verbundenes Trappgestein haben, welches nach den von vielen Geologen getheilten Ansichten nur fälschlich einer spätern Infiltration zugeschrieben worden sein würde.

[4] Von diesen ist eine häufige Varietät merkwürdig, weil sie voll ist von kleinen Bruchstücken eines dunkel jaspis-rothen Minerals, welches bei sorgfältiger Untersuchung eine undeutliche Spaltbarkeit zeigt; die kleinen Fragmente sind der Form nach länglich, weich, sind ehe und nachdem sie erhitzt waren, magnetisch und schmelzen mit Schwierigkeit zu einem trüben Email. Dies Mineral ist offenbar nahe mit den Eisenoxyden verwandt; ich kann aber nicht genau ermitteln, was es ist. Das dies Mineral enthaltende Gestein ist mit kleinen Höhlungen durchsetzt, welche mit gelblichen Krystallen von kohlensaurem Kalke ausgekleidet und erfüllt sind.

[5] Die Seiten dieser Schlucht sind da, wo die obere basaltische Schicht durchsetzt wird, beinahe senkrecht. Die Lava, welche sie seitdem ausgefüllt hat, ist beinahe so fest diesen Seiten angeheftet, wie ein Gang seinen Wänden. In den meisten Fällen, wo ein Lavastrom ein Thal hinab geflossen ist, wird er auf beiden Seiten von schlackigen Massen eingefaszt.

[6] D'Aubuisson, Traité de Géognosie (Tom. II. p. 569), erwähnt, nach der Autorität von Marcel de Serres, Massen grüner Erde aus der Nähe von Montpellier, von welcher angenommen wird, dasz sie durch Zersetzung von Olivin entstanden ist. Ich finde indessen nicht, dasz bemerkt worden ist, wie sich das Verhalten dieses Minerals vor dem Löthrohr gänzlich ändert, wenn es der Zersetzung unterliegt; und die Kenntnis dieser Thatsache ist von Wichtigkeit, da es auf den ersten Blick in hohem Grade unwahrscheinlich erscheint, dasz ein hartes, durchscheinendes, schwer aufzuschlieszendes Mineral in einen weichen, leicht schmelzlichen Thon, wie dieser von St. Jago, verwandelt würde. Ich werde später eine grüne Substanz beschreiben, welche innerhalb der zelligen Räume einiger blasigen basaltischen Gesteine von Van-Diemens-Land Fäden bildet und sich vor dem Löthrohre wie die grüne Wacke von St. Jago verhält; aber ihr Vorkommen in cylindrischen Fäden beweist, dasz sie nicht das Resultat einer Zersetzung des Olivins sein kann, eines Minerals, welches immer in der Form von Körnern oder Krystallen existirt.

[7] Von den landeinwärts gelegenen Theilen der Insel habe ich sehr wenig gesehn. In der Nähe des Dorfes St. Domingo finden sich prachtvolle Klippen von ziemlich grob krystallisirter basaltischer Lava. Folgte man dem Laufe des kleinen Flusses in diesem Thale bis ungefähr eine Meile weit oberhalb des Dorfes, so ergab sich die Klippe als aus einem compacten, feinkörnigen Basalt gebildet, der in concordanter Lage von einer Schicht Geschiebe bedeckt war. In der Nähe von Fuentes traf ich auf warzenförmige Hügel der compacten feldspathigen Gesteinsreihe.