„Frau, tut Euer anderes Auge auf, so sehet Ihr sie alle beide“, versetzte Ulenspiegel.
Ganz erbost ging sie zu Lamm Goedzak und meldete ihm das Vorgefallene.
Lamm ging in die Küche hinunter und sprach zu Ulenspiegel:
„Was hast Du meiner Magd zu spotten? Es waren zwei Hühner da.“
„Freilich, Lamm,“ sagte Ulenspiegel, „aber da ich hier in Dienst trat, sagtest Du mir zu, daß ich so gut essen und trinken sollte wie Du. Zwei Hühner waren da, eins habe ich gegessen und Du wirst das andere essen. Meine Freude ist vorüber, die Deine wird erst kommen, bist Du nicht glücklicher als ich?“
„Ja,“ erwiderte Lamm lächelnd, „aber tue ganz, wie la Sanginne Dich heißen wird, dann wirst Du nur halbe Arbeit haben.“
„Ich werde darauf achten,“ sprach Ulenspiegel.
Und allemal, wenn la Sanginne ihn etwas tun hieß, tat er es nur halb. Wenn sie ihm befahl, zwei Eimer Wassers zu holen, so brachte er nur einen. Trug sie ihm auf, einen Krug Kräuterbier aus dem Faß zu füllen, so goß er die Hälfte unterwegs in seine Kehle, und so mit allem.
Endlich war la Sanginne dieser Ränke überdrüssig und sagte zu Lamm, wenn dieser Taugenichts noch länger im Hause bliebe, so liefe sie fort.
Lamm ging zu Ulenspiegel hinunter und sprach zu ihm: