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Aber König Philipp hatte keinen Hunger und verspeiste Leckereien bei seiner Gemahlin Maria der Häßlichen aus dem königlichen Hause der Tudor. Er liebte sie nicht von Herzen, hoffte aber dem engelländischen Volk einen spanischen Monarchen zu geben, indem er die Schwächliche befruchtete.
Ihn widerte vor dieser Verbindung, welche die eines Steines mit einer glühenden Kohle war. Jedoch vereinigten sie sich genugsam, um die armen Reformierten zu Hunderten ertränken und verbrennen zu lassen.
Wenn Philipp nicht von London entfernt noch verkleidet ausgegangen war, um sich in irgend einem verrufenen Haus zu ergötzen, vereinigte die Nachtstunde die beiden Gatten. Alsdann reckte sich die Königin Maria, mit schöner Leinwand von Tournay und irländischen Spitzen angetan, im Ehebett, dieweil Philipp steif wie ein Pfahl vor ihr stund und zusah, ob er an seinem Weibe nicht irgend ein Zeichen von Mutterschaft erblickte. Aber da er nichts sah, ward er zornig, blieb stumm und betrachtete seine Nägel.
Dann sprach die unfruchtbare Harpye zärtliche Worte und versuchte zu liebäugeln und den eisigen Philipp um Liebe zu bitten. Tränen, Geschrei und inständiges Flehen, nichts sparte sie, um eine lauwarme Liebkosung von ihm, der sie nicht liebte, zu erhalten. Vergebens warf sie sich mit gefalteten Händen ihm zu Füßen, vergebens lachte und weinte sie zugleich wie eine Verrückte, um ihn zu rühren. Nicht Lachen noch Tränen erweichten dies steinharte Herz. Vergebens umschlang sie ihn mit ihren mageren Armen wie eine verliebte Schlange und drückte den engen Käfig, darin die verkümmerte Seele des blutigen Königs wohnte, an ihre flache Brust; er rührte sich nicht mehr denn ein Prellstein.
Die arme Häßliche versuchte, anmutig zu sein, und nannte ihn mit allen süßen Namen, die Liebestolle dem erwählten Geliebten geben. Philipp betrachtete seine Nägel.
Manchmal antwortete er:
„Wirst Du keine Kinder bekommen?“