Da sagte Katheline mit einer Stimme, die gleich einem Hauch war:
„Der Böse / wenn Nacht schwarz herabsinkt / Ich höre, wie er sein Kommen ankündigt / schreiend wie ein Fischadler. / Schaudernd bet' ich zur Heiligen Jungfrau / vergebens. / Für ihn nicht Mauern noch Zäune, nicht Türen noch Fenster; dringt überall hin wie ein Geist. / Die Leiter kracht. / Er ist bei mir auf dem Boden, wo ich schlafe, / faßt mich mit seinen kalten Armen, hart wie Marmelstein. / Eisiges Gesicht, Küsse feucht wie Schnee, / Die Erde wankt und die Hütte schwankt, wie ein Nachen auf stürmischer See.“
„Mußt jeden Morgen zur Messe gehen,“ riet Klas, „damit der Herr Jesus Dir die Kraft gibt, den Spuk, der von da unten gekommen ist, zu vertreiben.“
„Er ist so schön,“ sagte sie.
9
Da Ulenspiegel entwöhnt war, wuchs er wie eine junge Pappel. Nun küßte Klas ihn nicht mehr so oft, sondern liebte ihn in derber Weise, auf daß er nicht weichlich würde.
Wenn Ulenspiegel heimkehrte und Klage führte, daß sie ihn bei einem Streit durchgebläut hätten, schlug Klas ihn aufs Neue, weil er die andren nicht geschlagen; und also erzogen, ward Ulenspiegel kühn wie ein junger Leu.
Wenn Klas nicht daheim war, bat Ulenspiegel die Mutter um einen Heller, um spielen zu gehen. Soetkin ward bös und sprach: „Was brauchst Du zu spielen! Du tätest besser, daheimzubleiben und Reisig zu schnüren.“