Und siehe! Nele und Ulenspiegel vernahmen die dumpfen Stöße eines Sturmbocks wider die Eismauer, so dem Riesen Winter als Stütze diente. Und die Mauer spaltete sich und erbebte in ihren Grundvesten.

Aber der Riese Winter hörte nichts und heulte und bellte lustig, füllte und leerte seinen Tranbecher und suchte nach dem Herzen der Erde, um es zu erstarren, und wagte doch nicht, es zu fassen.

Indessen erdröhnten die Stöße stärker und die Mauer barst noch mehr, und der Regen von Eisstücken, so in Splittern abflogen, prasselte ohn Unterlaß um ihn her. Und die Bären brummten allezeit kläglich und die Robben winselten in den trüben Wassern.

Die Mauer stürzte zusammen und der Himmel ward hell. Ein Mann, nackend und schön, eine Hand auf eine güldene Axt stützend, entstieg ihm. Derselbige Mann war Luzifer, der König Lenz. Da der Riese ihn sahe, warf er seinen Tranbecher weit fort und flehete ihn an, ihn nicht zu töten.

Und da König Lenz seinen lauen Odem hauchte, verlor der Riese Winter jegliche Kraft. Da nahm der König demantne Ketten und band ihn damit und fesselte ihn an den Pol.

Sodann hielt er inne und rief, aber inniglich und brünstig. Und vom Himmel kam ein blondhaarig Weib herab, nackend und schön. Sie saß neben dem König nieder und sprach zu ihm:

„Du bist mein Sieger, starker Mann.“

Er antwortete:

„So Du Hunger hast, iß; so Du Durst hast, trinke, und so Du Furcht hast, komm nahe zu mir: ich bin Dein Geselle.“

„Mich hungert und dürstet nur nach Dir“, sprach sie.