Eule ist, wer in den Kreis einer ehrbaren Familie eintritt, sich als Freier ankündigt, ein junges Mädchen ins Gerede bringt, Geld borgt, manchmal seine Schuld bezahlt und davon geht, wenn es nichts mehr zu nehmen gibt.

Eule ist der Politiker, der eine Maske der Freiheit, Aufrichtigkeit und Menschenliebe anlegt und Euch im gegebenen Augenblick ohne Warnung einen Menschen oder eine Nation erwürgt.

Eule ist der Handelsmann, der seine Weine panscht und seine Lebensmittel fälscht, der verdorbenen Magen anstatt Ernährung und Wut anstatt Heiterkeit verursacht.

Eule ist, wer geschickt fliegt, ohne daß man ihn beim Kragen packen kann, der das Falsche gegen das Wahre verteidigt, die Witwe zu Grunde richtet, die Waise beraubt und im Fett triumphirt wie andere im Blut.

Eule, die mit ihren Reizen Handel treibt, den besten Herzen junger Männer die Unschuld nimmt und das „sie bilden“ heißt, und sie ohne einen Heller im Schlamme läßt, in den sie sie gezogen hat.

Wenn sie manchmal traurig ist, sich besinnt, daß sie Frau ist und Mutter sein könnte, verleugne ich sie. Wenn sie, dieses Daseins müde, sich ins Wasser stürzt, so ist sie eine Närrin, und unwürdig zu leben.

Blick um Dich, Dichter aus der Provinz, und zähle die Eulen dieser Welt, wenn Du kannst. Bedenke, ob es klug ist, so wie Du es tust, die Kraft und die List, diese Königinnen unter den Eulen, anzugreifen. Geh in Dich, lege Deine Beichte ab, und flehe auf den Knien um Vergebung.

Dennoch nehme ich Anteil an Dir wegen Deiner vertrauensseligen Unbesonnenheit. Deshalb warne ich Dich, trotz meiner bekannten Gewohnheiten: ich werde stehenden Fußes die Derbheit und die Keckheiten Deines Stils meinen literarischen Vettern anzeigen. Sie haben starke Federn, Schnäbel und Brillen, sind fürsichtige, superkluge Leute, die auf die liebenswürdigste, schicklichste Art mit sehr viel Gaze und Manschetten den jungen Frauenzimmern Liebesgeschichten erzählen, die nicht allein von Cythere kommen und die Euch in einer Stunde, ohne daß man etwas sieht, die widerspänstigste Agnes erziehen. O tollkühner Poet, der Du Rabelais und die alten Meister so sehr liebst, jene Leute haben das vor Dir voraus, daß sie die französische Sprache am Ende durch vieles Schleifen abnutzen werden.

Bubulus Bubb

Erstes Buch