Um dieselbige Zeit brachte der Schweiger ein Heer zusammen und ließ es von drei Seiten in die Niederlande einfallen.

Und Ulenspiegel sprach in einer Versammlung wilder Geusen von Marenhout:

„Auf den Rat der Inquisitionsmänner hat Philipp der König alle Einwohner der Niederlande des Majestätsverbrechens schuldig erklärt durch die Tat der Ketzerei, sowohl wer ihr angehangen, als wer ihr kein Hindernis in den Weg gelegt hat. In Ansehung dieses abscheulichen Verbrechens verdammt er sie alle, ohne Rücksicht auf Geschlecht oder Alter, mit Ausnahme der namentlich Bezeichneten, zu den Strafen, die auf solche Frevel stehen; und solches ohne alle Hoffnung auf Gnade. Der König erbt. Der Tod mäht in dem reichen, weiten Lande, das die Nordsee, die Grafschaft Emden, die Ems, die Länder Westphalen, Cleve, Jülich, Lüttich, die Bistümer Cöln und Trier, die Länder Lothringen und Frankreich begrenzen. Der Tod mäht auf einer Fläche von dreihundertundvierzig Meilen in zweihundert mit Mauern umgebenen Städten, in hundertundfünfzig Dörfern mit Städterecht, in den Flecken, auf den Feldern und Ebenen. Der König erbt.

„Elftausend Henker sind nicht zuviel, um die Arbeit zu tun. Alba nennt sie Soldaten. Und das Land der Väter ist ein Beinhaus geworden, woraus die Künste fliehen, das Handwerk entweicht und welches die Gewerbe verlassen, um den Fremden zu bereichern, der ihnen erlaubt, bei ihm den Gott des freien Gewissens anzubeten. Tod und Verderben mähen. Der König erbt.

„Die Lande hatten ihre Privilegien erworben durch viel Geld, das sie bedürftigen Fürsten gaben; diese Privilegien sind eingezogen. Sie hatten gehofft, den Verträgen gemäß, die zwischen ihnen und den Herrschern geschlossen waren, den Reichtum, die Frucht ihrer Arbeit, zu genießen. Sie täuschen sich: der Maurer baut für die Feuersbrunst, der Handarbeiter arbeitet für den Dieb. Und der König erbt.

„Blut und Tränen! Der Tod mäht auf den Scheiterhaufen, an den Bäumen, die längs der Heerstraße als Galgen dienen, in den offenen Gruben, in welche die armen Mägdlein lebendig geworfen werden. Andre werden in den Gefängnissen ertränkt, inmitten von angezündeten Reisigbündeln bei langsamem Feuer gebraten oder kommen in brennenden Strohhütten in Flamme und Rauch um. Der König erbt.

„Also hat der römische Papst es gewollt.

„Die Städte sind übervoll von Spionen, so ihren Anteil vom Vermögen der Opfer erwarten. Je reicher, desto schuldiger ist man. Der König erbt.

„Doch die tapferen Männer des Landes werden sich nicht gleich Lämmern erwürgen lassen. Unter den Flüchtigen sind Bewaffnete, die in die Wälder flüchten. Die Mönche hatten sie angezeigt, auf daß man sie töte und ihnen ihr Vermögen nähme. Darum stürzen sie sich bei Nacht und Tag wie die wilden Tiere auf die Klöster und nehmen dort das Geld wieder, das dem armen Volke in Gestalt von Leuchtern, güldenen und silbernen Reliquienschreinen, Speisekelchen, Hostientellern und kostbaren Gefäßen gestohlen ist. Nicht so, Ihr guten Leute? Und sie trinken dort den Wein, den die Mönche für sich bewahrten. Die geschmolzenen oder verpfändeten Gefäße werden zum heiligen Kriege dienen. Es lebe der Geuse!

„Sie beunruhigen des Königs Soldaten, töten und berauben sie und fliehen dann in ihre Schlupfwinkel. Bei Tag und Nacht sieht man in den Wäldern nächtliche Feuer brennen und verlöschen und immerwährend den Platz verändern. Das ist das Feuer unserer Gelage. Unser ist das Wild mit Fell und Feder. Wir sind die Herren; die Bauern geben uns Speck und Brot, wann wir wollen. Lamm, betrachte sie. Zerlumpt, wild, entschlossen, mit stolzem Blick, irren sie mit ihren Äxten, Hellebarden, langen Degen, kurzen Schwertern, Piken, Lanzen, Armbrüsten und Hakenbüchsen in den Wäldern umher. Alle Waffen sind ihnen recht, und sie wollen nicht unter Fahnen marschieren. Es lebe der Geuse!“