Sie kehrten in einer Herberge ein und man gab ihnen in einem hohen Gemach das Nachtessen. Ulenspiegel öffnete die Fenster und sah von da aus einen Garten, in dem sich ein artig Mägdlein erging, wohlgerundet, mit vollen Brüsten, goldenen Haaren und nur mit einem Rock, einem Leibchen von weißem Linnen und einer durchlöcherten Schürze von schwarzer Leinwand angetan.
Hemden und andere Frauenwäsche bleichten auf Stricken. Das Mägdlein nahm die Hemden von den Stricken, sich immerdar nach Ulenspiegel umwendend, hängte sie wieder auf und setzte sich dann lächelnd und immerdar ausschauend auf die aufgereihte Wäsche und schaukelte sich auf den beiden zusammengeknoteten Enden.
In der Nachbarschaft hörte Ulenspiegel einen Hahn krähen und sah eine Amme, die spielte mit einem Kinde und wandte sein Antlitz einem Manne zu, der vor ihr stand; und dabei sagte sie:
„Boelkin, mach Väterchen freundliche Augen.“
Das Kind weinte.
Und das artige Mägdlein lustwandelte fürder im Garten und nahm die Wäsche ab und hängte sie wieder auf.
„Das ist eine Spionin,“ sagte Lamm.
Das Mägdlein hielt die Hände vor die Augen und durch die Finger lächelnd, blickte es Ulenspiegel an.
Dann hob es mit vollen Händen seine Brüste in die Höhe, ließ sie wieder fallen und schaukelte sich von neuem, ohne daß seine Füße den Boden berührten. Und die Hemden, die herunterflogen, machten, daß es sich gleich einem Kreisel drehte, indessen Ulenspiegel seine Arme, weiß und rund im bleichen Sonnenschein, bis an die Schultern erblickte. Es drehte sich und lächelte und schaute ihn immer an. Er ging hinaus, um es aufzusuchen. Lamm folgte ihm. Er suchte ein Loch in der Gartenhecke, um hindurchzuschlüpfen, aber er fand keines.