Und da Lamm mit Ulenspiegel reiste und sein Ruf als Sieger ihm immerdar vorauslief, so begann er selber, an seine große Kraft zu glauben, und indem er hoffärtig und kriegerisch ward, ließ er sich den Bart wachsen. Und Ulenspiegel nannte ihn Lamm den Löwen.
Doch am vierten Tage verlor Lamm das Zutrauen zu diesem Plane wegen des Kitzelns der jungen Bartstoppeln. Und er ließ das Scheermesser über sein siegreiches Antlitz gehen, welches Ulenspiegel von neuem rund und voll erschien, wie eine Sonne, am Feuer guter Nahrung entzündet.
Und solchergestalt kamen sie nach Stockem.
28
Allda ließen sie ihre Esel und bei Einbruch der Nacht betraten sie die Stadt Antwerpen und Ulenspiegel sprach zu Lamm:
„Dies ist die große Stadt. Die ganze Welt häuft hier ihre Reichtümer an: Gold, Silber, vergüldetes Leder, Gobelins, Tuche Sammet- Woll- und Seidenstoffe, Bohnen, Erbsen, Korn, Fleisch, Mehl, gesalzene Häute, Wein aus Löwen, Namur, Luxemburg, Lüttich, Landwein von Brüssel und Aerschot, Weine von Buley, dessen Weinberg vor dem Tor de la Plante zu Namur liegt; desgleichen findet man hier Weine vom Rhein, Hispanien und Portugal, Rosinenöl von Aerschot, das sie Landolium nennen, die Weine von Burgund, Malvasier und viele andere. Und die Hafendämme sind voller Waren. Diese Schätze der Erde und der menschlichen Arbeit locken die schönsten Dirnen, die es gibt, an diesen Ort.“
„Du wirst träumerisch,“ sagte Lamm.
Ulenspiegel erwiderte: