„Du bist kurzatmig, mußt Dich ausruhen,“ sagte sie.
„Mich ausruhen,“ antwortete Ulenspiegel. „Ich sehe kein Obdach.“
„Deine Tugend,“ sagte das Mädchen, „wird Dir als Decke dienen.“
„Dein Rock ist mir lieber,“ sagte er.
„Mein Rock,“ sagte das Mädchen, „wäre unwürdig, einen Heiligen, wie Du es sein willst, zu bedecken. Hebe Dich fort, daß ich allein laufe.“
„Weißt Du nicht,“ antwortete Ulenspiegel, „daß ein Hund auf vier Beinen rascher läuft als ein Mensch auf zweien? Darum laufen wir besser, da wir vier haben.“
„Du führst kecke Reden für einen tugendlichen Mann.“
„Jawohl,“ sagte er.
„Aber,“ sagte sie, „ich habe immer gesehen, daß die Tugend eine ruhige, schläfrige, dicke und frostige Eigenschaft ist. ’s ist eine Larve, die mürrischen Gesichter zu verbergen, ein Sammetmantel für einen Mann von Stein. Ich liebe die, so in der Brust eine Kohlenglut haben, die am Feuer der Mannheit entzündet, zu kühnen und lustigen Abenteuern reizt.“
„Also sprach die schöne Teufelin zum glorreichen Sankt Antonius,“ erwiderte Ulenspiegel.