„Sieh“, sprach Ulenspiegel, „das Mägdlein geht laut lachend von dannen und dreht sich immerdar um, damit wir ihr nachfolgen.“
„Gebt mir Geld“, sagte der Mann. „Bezahle deine Liebe. Wir sind arm und wollen Dir nichts antun.“
Lamm gab ihm einen Karolus.
„Welches Gewerbe treibst Du?“
„Alle“, erwiderte der Zigeuner. „Da wir Meister in der Geschicklichkeit sind, vollführen wir wundersame und zauberische Künste. Wir spielen die Schellentrommel und tanzen ungarische Tänze. Und es ist mehr denn einer unter uns, der Käfige macht und Roste, die schönsten Kalbsrippen darauf zu braten. Aber alle Vlämen und Wallonen fürchten und vertreiben uns. Da wir nicht vom Erwerb leben können, leben wir von Raub, das ist, von Gemüsen, Fleisch und Geflügel, so wir dem Bauern nehmen müssen, da er sie uns nicht geben noch verkaufen will.“
Lamm sprach zu ihm:
„Woher kommt das Mägdlein, das so sehr meiner Frau gleicht?“
„Sie ist unseres Häuptlings Tochter,“ sagte der Schwarze.
Dann sprach er leise, wie einer, der sich fürchtet:
„Sie wurde von Gott mit Liebestollheit geschlagen und weiß nichts von weiblicher Scham. Sobald sie einen Mann erblickt, wird sie lustig und toll und lacht unablässig. Sie spricht wenig, und lange hielt man sie für stumm. Nachts hockt sie trübsinnig am Feuer, manchmal weinend und ohne Ursache lachend und auf den Leib deutend, wo sie Schmerzen hat, sagt sie. Um die Mittagsstunde im Sommer nach der Mahlzeit ist ihre Tollheit am wildesten. Alsdann tanzt sie fast nackend in der Umgebung des Lagers. Sie will nur Kleidung aus Tüll und Nesseltuch tragen, und im Winter können wir sie nur mit großer Mühe in einem Mantel von Ziegenfell einhüllen.“