Sie schossen auf das Schiff, das ihr Feuer erwiderte. Und ihre Kugeln zerbrachen das Eis rings umher. Gegen Abend fiel ein lauer Regen.
Da der Wind aus Westen wehte, ward das Meer unter dem Eise erregt und hob es in ungeheuren Blöcken empor, die sich aufbäumten und wieder zurückfielen, gegen einander prallten und sich übereinander schoben, nicht ohne Gefahr für das Schiff, das, als die Morgenröte die nächtlichen Wolken zerriß, seine linnenen Flügel entfaltete und wie ein Vogel der Freiheit aufs hohe Meer segelte.
Da stießen sie zu der Flotte des Herrn de Lumey de la Marche, Admirals von Holland und Zeeland und Höchstkommandierenden, der als solcher eine Laterne oben am Maste trug.
„Sieh ihn Dir recht an, mein Sohn,“ sagte Ulenspiegel. „Der wird Deiner nicht schonen, wenn Du mit Gewalt das Schiff verlassen willst. Hörst Du seine Stimme wie Donner rollen? Sieh, wie breit und stark er bei seiner hohen Gestalt ist. Schau seine langen Hände mit den gebogenen Nägeln. Sieh seine runden Augen an, kalte Adleraugen, und seinen langen, spitzen Bart, den er wachsen läßt, bis er alle Mönche und Priester gehenkt hat, um den Tod der beiden Grafen zu rächen. Sieh, wie furchtbar und grausam er ist; er wird Dich hoch und kurz aufhenken lassen, wenn Du immerdar fortfährst, zu stöhnen und zu schreien: „Mein Weib!“
„Mein Sohn,“ versetzte Lamm, „der spricht vom Strick für den Nächsten, der selbst schon die hanfene Krause um den Hals hat.“
„Du sollst sie zuerst tragen. Das ist mein freundschaftlicher Wunsch,“ sagte Ulenspiegel.
„Ich werde Dich am Galgen sehen, wie Dir die giftige Zunge eine Klafter lang aus dem Maul wächst,“ erwiderte Lamm.
Und alle beide hätten fast gelacht.
An jenem Tage kaperte das Kriegsschiff einen Kauffahrer aus Biskaya, so mit Quecksilber, Goldstaub, Wein und Gewürzen befrachtet war. Und dem Schiffe ward sein Mark, Menschen und Beute, ausgenommen, wie einem Rindsknochen zwischen den Zähnen eines Löwen.
Zur selbigen Zeit legte der Herzog den Niederlanden grausame und schändliche Steuern auf, laut denen alle Einwohner, so bewegliche und unbewegliche Habe verkauften, tausend Gülden von zehntausend zahlen mußten. Und dieser Schoß war dauernd. Alle Kaufleute und Händler jeder Art mußten dem König den Zehnten vom Kaufpreis zahlen, und im Volk ging die Rede, daß der König von den zehnmal in einer Woche verkauften Waren das Ganze bekäme.