Ulenspiegel gab ihr einen leichten Schlag in den Rücken und sagte:

„Küßt die Magd, so schlägt sie Euch, schlagt die Magd, so salbt sie Euch. Salbe mich also Liebchen, da ich Dich schlug.“

Nele wandte sich um. Er tat die Arme auf, und sie warf sich, noch weinend, hinein und sprach:

„Du gehst nimmer mehr dorthin, nicht wahr, Thyl?“

Doch er gab keine Antwort, denn er mußte ihre armen zitternden Finger drücken und mit seinen Lippen ihre heißen Zähren abtrocknen, welche gleich den großen Tropfen eines Gewitterregens aus Neles Augen fielen.


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Zur nämlichen Zeit weigerte Gent, die Edle, ihre Beisteuer zu der Hilfe, die ihr Sohn Karl, der Kaiser, von ihr heischte. Sie vermochte es nicht, denn sie war durch Karls Schuld von Geld entblößt. Das war eine große Missetat, und er beschloß bei sich, selbst zu gehen, um sie zu züchtigen. Denn der Stock eines Sohnes bereitet dem Rücken der Mutter mehr Schmerz denn jeglicher andre.

König Franz mit der langen Nase, sein Feind, bot ihm an, durch das Land Frankreich zu reisen. Solches tat Karl, und anstatt dorten als Gefangener festgehalten zu werden, ward er kaiserlich gefeiert und auf Händen getragen. Denn es ist ein fürstliches Übereinkommen, sich gegen die Völker beizustehen.