Lamm sprach, auf ihn zutretend:
„Gnädiger Herr Admiral, darf ein geringer Schiffskoch Euch seine Ansicht sagen?“
„Sprich, mein Sohn,“ sagte der Admiral.
„Euer Gnaden,“ sagte Lamm, „das Eis in den Krügen taut auf, das Geflügel wird wieder zart; der Reif, der die Wurst wie Schimmel überzog, verschwindet; die Butter ist schmierig, das Öl flüssig, das Salz rinnt. Es wird in Bälde regnen und wir werden gerettet sein, Euer Gnaden.“
„Wer bist Du?“ fragte Messire Worst.
„Ich bin Lamm Goedzak,“ antwortete er, „der Koch des Schiffes Briel. Und wenn alle die großen Gelehrten, so sich für Astronomen ausgeben, ebenso gut in den Sternen lesen wie ich in meinen Brühen, so könnten sie uns sagen, daß wir diese Nacht Tauwetter mit Sturmgebraus und Hagelschauern haben werden. Aber das Tauwetter wird nicht andauern.“
Und Lamm kehrte zu Ulenspiegel zurück, und um Mittag sprach er zu ihm:
„Ich prophezeie weiter: der Himmel wird schwarz, der Wind weht stürmisch, es fällt ein warmer Regen; es ist schon ein Fuß Wassers auf dem Eise.“
Am Abend rief er fröhlich aus:
„Die Nordsee ist gestiegen, es ist Flutzeit. Die großen Wellen, die in den Zuyderzee eindringen, zerbrechen das Eis, das in großen Stücken birst und auf die Schiffe springt. Es sprüht Lichtfunken: da kommt der Hagel. Der Admiral wünscht, daß wir uns von Amsterdam zurückziehen, und das mit soviel Wasser, daß unser größtes Schiff flott wird. Nun sind wir im Hafen von Enckhuysen. Das Meer gefriert von neuem. Ich bin ein Prophet, und das ist ein Wunder Gottes.“