Da sprach Klas zu ihn
„Sohn, raube weder Mensch noch Tier jemals die Freiheit, welche das größte Gut auf Erden ist. Laß einen jeden in die Sonne gehen, wann ihn friert, und in den Schatten, wann ihm heiß ist. Und möge Gott seine Heilige Majestät richten, welche, nachdem sie den freien Glauben in Flandern in Ketten gelegt, das edle Gent in einen Käfig der Knechtschaft geworfen hat“.
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Philipp hatte Maria von Portugal geehelicht und ihre Besitzungen der Krone Spanien einverleibt. Sie genas des Don Carlos, des grausamen Narren. Doch er liebte seine Gattin nicht. Die Königin litt an den Folgen ihres Kindbettes. Sie hütete das Bett und hatte ihre Ehrendamen bei sich, darunter die Herzogin von Alba. Philipp ließ sie oftmals allein, um Ketzer verbrennen zu sehen, und alle Herren und Damen vom Hofe taten desgleichen. Also hielt es auch die Herzogin von Alba, die hochedle Wächterin des königlichen Kindbettes.
Um diese Zeit nahm das geistliche Gericht einen vlämischen Bildschneider gefangen, welcher römischer Katholik war, maßen ihm ein Mönch den ausbedungenen Preis für ein Holzbild unserer lieben Frauen verweigert und er der Frau mit dem Meißel ins Gesicht geschlagen und gesagt hatte, daß er lieber sein Werk zerstören, denn es zum Spottpreis hergeben wollte.
Er ward von dem Mönche als Bilderfrevler verklagt, ohn Erbarmen gefoltert und verurteilt, lebendig verbrannt zu werden. Während der Folter hatte man ihm die Fußsohlen verbrannt, und da er mit dem Sanbenito[2] angetan vom Kerker zum Scheiterhaufen geführt ward, schrie er:
„Haut die Füße ab! Haut die Füße ab!“
Philipp hörte dies Geschrei von ferne; es war ihm wohl, aber er lachte nicht.